Der Sicherheitsdienst (SD) der SS

Aufgabe des seit 1931 von Reinhard Heydrich geführten Sicherheitsdienstes (SD) der SS war es, innerparteiliche und äußere „Gegner” der NSDAP zu überwachen. 1934 wurde der SD zum alleinigen Nachrichtendienst der Partei, mit Sitz im Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102. Dem 1935 gegründeten SD-Hauptamt unterstanden in den jeweiligen SS-Oberabschnitten SD-(Leit-)Abschnitte und SD-Außenstellen. Ein Netz von Informanten (V-Männer) sorgte für den Nachrichtenfluss zur Zentrale, die ihrerseits regelmäßig Lageberichte zusammenstellte.

1937 wurde eine exakte Aufgabenteilung zwischen Gestapo und SD vorgenommen, die geheimpolizeiliche, exekutive staatliche Funktionen allein der Gestapo vorbehielt. Heydrich, der Gestapo und SD in Personalunion führte, bot die Gewähr für eine enge Kooperation beider Institutionen.

Die nachrichtendienstliche Tätigkeit des SD fand ihren Niederschlag u.a. in den „Meldungen aus dem Reich”, in denen die NS-Führung über die innenpolitische Lage, vor allem über Stimmungen in der Bevölkerung, unterrichtet wurde. Auch Berichte über das Ausmaß der Korruption in deutschen Behörden, besonders in den besetzten Gebieten, wurden vom SD verfasst.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten geheim- und nachrichtendienstliche Aktivitäten im Ausland. Bekannt ist zum Beispiel der fingierte Angriff auf den Sender Gleiwitz, durch den der SD im Zusammenspiel mit der Gestapo Hitler den gewünschten Vorwand zum Überfall auf Polen lieferte.

Aus dem SD ging eine Reihe „weltanschaulich kompromissloser”, besonders radikaler SS-Führer hervor. In den „Einsatzgruppen” der Sicherheitspolizei und des SD spielten sie bei der Durchführung des Massenmords („Endlösung der Judenfrage”) in den besetzten sowjetischen Gebieten eine antreibende Rolle. Auch Adolf Eichmann, Organisator der Judendeportationen aus ganz Europa in die Vernichtungslager, gehörte anfangs dem SD an.