Das Reichssicherheitshauptamt

Mit Gründung des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) am 27. September 1939 fasste Himmler die Sicherheitspolizei (Geheime Staatspolizei und Reichskriminal­polizei) und den parteizugehörigen Sicherheitsdienst (SD) der SS in einer Institution zusammen. „Chef der Sicherheitspolizei und des SD” und Leiter des RSHA war Reinhard Heydrich, dessen Nachfolger 1943 Ernst Kaltenbrunner wurde.

Staats- und Parteiaufgaben waren im RSHA, das zugleich Ministerialbehörde und SS-Hauptamt war, verklammert. Die Neuorganisation führte jedoch nicht zur Auflösung bestehender Ämter. Im Geschäftsverkehr mit anderen Dienststellen blieb es z.B. für das neue Amt IV des RSHA bei der alten Bezeichnung „Geheimes Staatspolizeiamt”. Die Prinz-Albrecht-Straße 8, Berlin SW 11, war zentrales Dienstgebäude und Postadresse des RSHA, des Reichsführer-SS und seines Persönlichen Stabs.

Dem RSHA unterstand ein weitverzweigtes Netz nachgeordneter Dienststellen. In den besetzten Gebieten herrschten mobile und stationäre RSHA-Dienststellen, sogenannte Einsatzgruppen und Einsatzkommandos bzw. Befehlshaber und Kommandeure der Sicherheitspolizei und des SD.

Die Befehle des RSHA steuerten maßgeblich die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik des NS-Regimes. Im RSHA wurde das Personal der „Einsatzgruppen” ausgewählt, deren Massenexekutionen hunderttausende Juden und politische Gegner zum Opfer fielen. Mitarbeiter des Amtes IV entwickelten Gaswagen, die zeitweise zur Ermordung der jüdischen Bevölkerung eingesetzt wurden. Adolf Eichmanns Referat IV B 4 und andere Stellen des RSHA waren an der Durchführung von Hitlers „Endlösung der Judenfrage” in Europa führend beteiligt. Das „Schutzhaftreferat” der Gestapo im Amt IV entschied über Einweisungen in die Konzentrations­lager, in denen das RSHA Politische Abteilungen der Gestapo unterhielt.

Mit dem RSHA hatten Himmler und Heydrich das wichtigste, radikalste Organ nationalsozialistischer Unterdrückungs- und Terrorherrschaft geschaffen.