Die Geheime Staatspolizei (Gestapo)

Die Schaffung einer schlagkräftigen Politischen Polizei war eines der ersten Ziele des NS-Staates. Sie sollte der sofortigen Ausschaltung politischer Gegner und weiteren Kontrolle von „Volks- und Staatsfeinden” dienen. In Preußen errichtete Hermann Göring, zunächst kommissarischer Innenminister, dann preußischer Ministerpräsident, am 26. April 1933 das preußische Geheime Staatspolizeiamt mit Dienstsitz in der Prinz-Albrecht-Straße 8. Als polizeiliche Sonderbehörde wurde ihm die Geheime Staatspolizei direkt unterstellt.

Im April 1934 wurde Heinrich Himmler Inspekteur und stellvertretender Chef der preußischen Gestapo und ernannte Reinhard Heydrich zu deren Leiter. Zuvor hatte Himmler in fast allen nicht-preußischen Ländern die Leitung der Politischen Polizei übernommen und zentralisierte seitdem die Arbeit aller Gestapo-Behörden.

Nach seiner Ernennung zum „Chef der Deutschen Polizei” am 17. Juni 1936 organisierte Himmler dann auch die übrige Polizei neu. Das Hauptamt Sicherheitspolizei unter Heydrich umfasste Gestapo und Kriminalpolizei, das Hauptamt Ordnungspolizei unter Kurt Daluege Schutzpolizei, Gendarmerie und Gemeindepolizei.

Der nationalsozialistische Eroberungs- und Rassenkrieg führte seit 1939 zur personellen Expansion des Gestapo-Apparats, zur umfassenden Ausweitung seiner Aufgaben und zur nachhaltigen weiteren Radikalisierung seines Einsatzes. Die Gestapo unter der Leitung von Heinrich Müller war für die Durchführung der „Endlösung der Judenfrage” verantwortlich, unter anderem durch die „Einsatzgruppen”-Morde in Polen und der Sowjetunion und die Deportationen der Juden Europas in die Vernichtungslager. Außerdem organisierte die Gestapo die geheim­polizeiliche Kontrolle in den besetzten Gebieten und die rücksichtslose Bekämpfung der dort aktiven Widerstandsbewegungen. Im Reichsgebiet gehörten Aufdeckung und Zerschlagung des deutschen Widerstands und die Überwachung der in der deutschen Kriegswirtschaft eingesetzten Millionen Zwangsarbeiter zu ihren Hauptaufgaben.