Das „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale

Im Spätsommer des Jahres 1933 wurde im Geheimen Staatspolizeiamt ein „Hausgefängnis” eingerichtet. Es diente der Unterbringung von Häftlingen, an deren Vernehmung die Gestapo ein besonderes Interesse hatte. In 38 Einzelzellen und einer Gemeinschaftszelle konnten höchstens fünfzig Personen untergebracht werden. Viele politische Häftlinge wurden daher an anderen Haftorten untergebracht und zum Verhör in die Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht.

Bei den politischen Häftlingen des „Hausgefängnisses” konnten sich die Vernehmungen über Stunden oder Tage, aber auch über Wochen und Monate erstrecken. Langfristige Haftaufenthalte waren jedoch eher die Ausnahme. Für die meisten Häftlinge war das „Hausgefängnis” Durchgangsstation auf dem Weg durch die Gefängnisse und Konzentrationslager des „SS-Staats”.

Berüchtigt wurde die Prinz-Albrecht-Straße 8 durch die verschiedenen Foltermethoden, mit denen die Gestapo die gewünschten Informationen zu erzwingen versuchte. Mehrere Häftlinge wussten sich diesem Terror nur durch Selbstmord zu entziehen. Die „verschärften Vernehmungen”, wie die Folterungen von der Gestapo genannt wurden, fanden in der Regel nicht in den Zellen des Gefängnisses statt, sondern in den Büros der Gestapo in den oberen Stockwerken. Ihre Opfer waren in den ersten Jahren vor allem Kommunisten, Sozial­demokraten, Gewerkschafter, Mitglieder kleiner sozialistischer Gruppierungen und Widerstands­organisationen. Hinzu kamen andere, die sich dem Machtanspruch des NS-Staates nicht unterwerfen wollten, wie die Zeugen Jehovas oder einzelne Vertreter der Kirchen.

Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs waren im „Hausgefängnis” der Gestapo viele Einzelkämpfer wie Georg Elser und Angehörige kleiner Widerstandsgruppen inhaftiert. Besonders zahlreich vertreten waren Angehörige der Widerstandsgruppe um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen („Rote Kapelle”) sowie der verschiedenen Gruppierungen des 20. Juli 1944, von den Sozialisten und dem „Kreisauer Kreis” bis zu den national-konservativen Beamten und Offizieren. Auch Häftlinge aus den von Deutschland besetzten Ländern wurden hierher überführt.

Insgesamt waren in den Jahren 1933 bis 1945 etwa 15.000 politische Gegner des NS-Regimes im „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale inhaftiert. Fast 3.000 sind heute namentlich bekannt.

Katalog zur Ausstellung: Das „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale in Berlin. Terror und Widerstand 1933-1945, hg. v. d. Stiftung Topographie des Terrors, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin 2006, 240 S.