Dienstag, 23. Mai 2017 19:30 Uhr

Weltanschauliche Motivationen und Religiosität der NS-Bewegung

Vortrag: Prof. Dr. Horst Junginger, Berlin
Moderation: Dr. Ulrich Prehn, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Ausstellung „‚Überall Luthers Worte...’ – Martin Luther im Nationalsozialismus”

Mit Blick auf die nationalsozialistische Diktatur und auch auf andere totalitäre Herrschaftsformen ist bereits zeitgenössisch der Begriff „politische Religion” geprägt worden. Strukturelle Ähnlichkeiten zwischen religiösen Gemeinschaften sowie totalitären Bewegungen und Systemen wurden vor allem bezüglich des „utopischen” Moments von Heilserwartung und „Erlösung” gesehen sowie in der Rolle, die Feste, Feiern und Gemeinschaftsrituale spielten – allesamt Aspekte, die halfen, Massenbindung und „Gefolgschaft” herzustellen. Doch inwieweit fungierte die nationalsozialistische Weltanschauung als „Ersatzreligion” bzw. Religionsersatz? Und in welchem Maße waren Elemente christlicher Religion und deren Ausübung mit Ideologie und Gemeinschaftspraktiken und -ritualen im „Dritten Reich” kompatibel? Welche Rolle kam dabei etwa der „Glaubensbewegung Deutsche Christen”, aber auch anderen, zum Teil weniger bedeutenden völkisch-religiösen Splittergruppen seit den 1920er Jahren im Geflecht der entsprechenden politisch-weltanschaulichen Auseinander­setzungen zu? In seinem Vortrag geht Horst Junginger diesen Fragen nach.

Horst Junginger, 1959 geboren, war zuletzt Vertretungsprofessor für Allgemeine und Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Leipzig. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Von der philologischen zur völkischen Religionswissenschaft. Das Fach Religionswissenschaft an der Universität Tübingen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Dritten Reiches (1999), The Study of Religion under the Impact of Fascism (2008, Hg.), Die Verwissenschaftlichung der „Judenfrage” im Nationalsozialismus (2011) und Religion und Gesellschaft in der Moderne (2017).

Ulrich Prehn, 1966 geboren, ist Kurator der Ausstellung „‚Überall Luthers
Worte …’ – Martin Luther im Nationalsozialismus”.