Dienstag, 5. Dezember 2017 19:00 Uhr

Rezeption und Bedeutung der US-Militärtribunale in Nürnberg

Podiumsdiskussion mit Dr. Gerd Hankel, Hamburg, Dr. Bernd Pickel, Berlin, Prof. Dr. Kim Christian Priemel, Oslo, und Dr. Alexa Stiller, Bern
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Abschlussveranstaltung der Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Die zwölf Verfahren vor den Nürnberger Militärtribunalen, in denen US-amerikanische Ankläger zwischen 1946 und 1949 die Funktionseliten aus Militär, Bürokratie, Partei und Wirtschaft des „Dritten Reichs” vor Gericht stellten, standen lange Zeit im Schatten des ersten „Hautkriegsverbrecherprozesses” vor dem Internationalen Militärtribunal der Alliierten in Nürnberg. Und doch sollten auch diese „Nachfolgeprozesse” historisch wie juristisch eine erhebliche Wirkmacht entfalten.
In der Podiumsdiskussion wird akzentuiert, dass die zwölf „Nachfolgeprozesse” als Verfahrensserie mit eigenem Profil zu begreifen sind. Ihr besonderer Ansatz im Vergleich zum „Hauptkriegsverbrecherprozess” wird ebenso erörtert wie der historische Kontext: der zunehmende Einfluss des Kalten Krieges im Verlauf der Prozesse sowie die wachsende Ablehnung der Verfahren in der deutschen und US-amerikanischen Öffentlichkeit. Gefragt wird auch, inwieweit diese Prozesse den Weg vorzeichneten, den die internationale Strafgerichtsbarkeit mit ihrem Fokus auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord in den vergangenen beiden Jahrzehnten gegangen ist.

Gerd Hankel, 1957 geboren, Völkerrechtler und Sprachwissenschaftler, ist Mitarbeiter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und am Hamburger Institut für Sozialforschung assoziiert.

Bernd Pickel, 1959 geboren, ist Präsident des Kammergerichts Berlin. Seit 1999 war er Vizepräsident des Kammergerichts und von 2005 bis 2015 Präsident des Landgerichts in Berlin.

Kim C. Priemel, 1977 geboren, ist Associate Professor am Department of Archaeology, Conservation and History der University of Oslo. 2016 erschien sein Buch The Betrayal. The Nuremberg Trials and German Divergence.

Alexa Stiller, 1975 geboren, ist wissenschaftliche Assistentin am Historischen Institut der Universität Bern. 2013 hat sie zusammen mit Kim C. Priemel den von der Hamburger Edition publizierten Band NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung herausgegeben. 

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.