Dienstag, 16. Januar 2018 19:00 Uhr

Rassistische Stereotypen in der NS-Propagandafotografie

Vortrag: Prof. Dr. Rolf Sachsse, Bonn
Moderation: Klaus Hesse, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Sonderausstellung „‚Im Dienst der Rassenfrage’. Propagandafotografien im Auftrag des Reichsministers R. Walther Darré” (29. November 2017 bis 8. April 2018)

(Gemeinsam mit dem Photoinstitut Bonartes, Wien)

Die Propaganda des Nationalsozialismus zielte darauf, positive Werte zu vermitteln. Vor allem der Inszenierung des „arischen” Körpers maß sie besondere Bedeutung bei: Kraft als militärische Stärke, Schönheit als reproduktive Kategorie und Vollkommenheit im Sinn einer Balance von gesunder Lebensführung und Einklang mit der herrschenden Ideologie. Die Vermittlung vornehmlich schöner Bilder war dabei nicht nur eine Kategorie des Positiven, sondern sollte im Ausschluss alle negativen Erfahrungen von sozialen Problemen bis zur Vorbereitung des Holocaust überdecken. Die Schönheit der abgebildeten Menschen hatte zudem eindeutig rassistische Prämissen, die schon früher in die Fotografie eingeflossen waren und gerade um 1930 durch eine Reihe von Fotografinnen und Fotografen mit großem Erfolg über Bücher und Zeitschriftenbeiträge vermittelt wurden.
In seinem Vortrag geht Rolf Sachsse den Ursprüngen eines visuell begründeten Rassismus nach und demonstriert an ausgesuchten Beispielen, wie sich moderne Formen der Fotografie mit überholten Inhalten paarten.

Rolf Sachsse, 1949 geboren, ist freischaffender Autor, Kurator und Fotograf. Von 2004 bis 2017 war er Professor für Designgeschichte und Designtheorie an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Zuvor war er Professor für Fotografie und elektronische Bildmedien an der Hochschule Niederrhein in Krefeld, seit 1995 auch Assoziierter Professor für Theorien der Gestaltung an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Seit 1980 hat er zahlreiche Lehraufträge an europäischen und asiatischen Hochschulen wahrgenommen. Rolf Sachsse absolvierte ein Studium der Kunstgeschichte, Kommunikationsforschung und Literaturwissenschaft. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört die NS-Fotografie. 2003 erschien sein Band Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat.

Klaus Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.