Dienstag, 2. Mai 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der I.G.-Farben-Prozess (Fall 6)

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Der I.G.-Farben-Prozess (Fall 6)
3. Mai 1947 – 30. Juli 1948

Vortrag: Prof. Dr. Stephan H. Lindner, München
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Der I.G.-Farben-Prozess war der umfangreichste Wirtschaftsstrafprozess unter den zwölf „Nachfolgeprozessen” vor US-amerikanischen Militärgerichten in Nürnberg. Er richtete sich gegen ursprünglich 24 führende Manager der I.G.-Farbenindustrie AG. Von 1925 bis 1945 war diese das größte deutsche Privatunternehmen und lag unter den nichtstaatlichen Unternehmen weltweit auf dem vierten Platz. Im „Dritten Reich” wurde es zum Paradebeispiel für die Bereitschaft der deutschen Industrie, mit dem NS-Regime zusammenzuarbeiten. Das höchste Strafmaß erhielten 1948 die mit dem Bau des I.G.-Werkes in Auschwitz direkt verbundenen Manager mit bis zu acht Jahren Haft. Insgesamt wurden dreizehn Manager – darunter die Spitze des Konzerns – wegen Raub, Plünderung und des Einsatzes von Zwangsarbeitern verurteilt; zehn Personen wurden freigesprochen. Aufgrund der im Vergleich mit den meisten anderen Nürnberger Prozessen verhältnismäßig geringen Strafen gegen die Beklagten wurde das Urteil von Vertretern der Anklagebehörde scharf kritisiert.
In seinem Vortrag beschreibt Stephan H. Lindner die Vorgeschichte und den Verlauf des I.G.-Farben-Prozesses und analysiert das Urteil.

Stephan H. Lindner, 1961 geboren, ist Professor für Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte an der Universität der Bundeswehr München. Zu seinen neueren Publikationen gehören Den Faden verloren. Die westdeutsche und die französische Textilindustrie auf dem Rückzug (1930/451990) (2001) und Hoechst. Ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich (2005). In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band „NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung” (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) ist er mit dem Aufsatz Das Urteil im I.G.-Farben-Prozess vertreten.

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.