Die Entstehung
der „Topographie des Terrors“

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  Die Entstehung der „Topographie des Terrors“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die bis 1945 von den Zentralen des NS-Terrors genutzten kriegsbeschädigten und zum Teil als wiederaufbaufähig eingestuften Bauten abgerissen. Das unmittelbar an der sowjetisch-amerikanischen Sektorengrenze befindliche Gelände wurde nach seiner Planierung einer Bauschuttverwertungsfirma überlassen, der südliche Bereich wurde an ein „Autodrom“ – „Fahren ohne Führerschein“ – vermietet. Durch die Teilung der Stadt an die Peripherie West-Berlins gerückt, war das Gelände ab 1961 im Norden durch die Berliner Mauer begrenzt.

Ausstellungshalle

Nach Hinweisen des Berliner Stadthistorikers Dieter Hoffmann-Axthelm auf die Vergangenheit des Geländes begann Ende der 1970er Jahre seine „Wiederentdeckung“. Die Internationale Bauausstellung (IBA) sprach sich 1979/80 mehrfach gegen das Vorhaben aus, eine Straße quer über das Gelände zu führen. Verfolgtenverbände und Bürgerrechtsvereinigungen wiesen nun auf die historische Bedeutung des Ortes hin. Hinzu kam die Aufmerksamkeit, die dem Gelände ab 1981 durch den Wiederaufbau des unmittelbar benachbarten früheren Kunstgewerbe­museums als Ausstellungsgebäude „Martin-Gropius-Bau“ und der zu seiner Eröffnung präsentierten historischen Ausstellung „Preußen – Versuch einer Bilanz“ zuteil wurde. Nachdem 1982 die zukünftige Gestalt des Geländes erstmals Gegenstand einer Debatte im Abgeordnetenhaus war, lobte der Berliner Senat 1983 einen deutschlandweit offenen Wettbewerb mit internationalen Zuladungen zur „Gestaltung des Geländes des ehemaligen Prinz-Albrecht-Palais“ aus. Aus den 194 eingegangenen Entwürfen wählte die Jury den Entwurf der Berliner Landschaftsarchitekten Jürgen Wenzel und Nikolaus Lang aus. Der zweite Preis ging an den italienischen Architekten Giorgio Grassi (Mailand). Nicht zuletzt aufgrund der durch die Aufgabenstellung des Wettbewerbs und die prämierte Arbeit ausgelösten kontroversen Diskussionen nahm der Senat Ende 1984 von einer Realisierung des Projekts jedoch Abstand. Statt dessen wurde das Gelände nach weiteren intensiven öffentlichen Diskussionen über seine Nutzung und Gestaltung „provisorisch hergerichtet“ und 1987 im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin erstmals öffentlich zugänglich gemacht.

Als Teil der zentralen historischen Ausstellung „Berlin, Berlin“ wurde die unter der wissenschaftlichen Leitung des Historikers Reinhard Rürup erarbeitete Dokumentation „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem ‚Prinz-Albrecht-Gelände’“ in einer neu geschaffenen Ausstellungshalle des Berliner Architekten Jürg Steiner präsentiert. Zugleich war das Gelände mit den inzwischen erfolgten Ausgrabungen zahlreicher Gebäudereste durch Informationsträger historisch kommentiert und erschlossen worden. Ursprünglich nur für die Präsentation während des Jubiläumsjahrs gedacht, wurde das „Provisorium“ Ende 1987 jedoch aufgrund des großen Erfolgs auf unbefristete Zeit verlängert. Es sollte, wie es der damalige Berliner Kultursenator Volker Hassemer formulierte, so lange Bestand haben, „bis etwas Besseres an seine Stelle treten“ könne.

(Auszug aus: Realisierungswettbewerb „Topographie des Terrors“, Berlin. 309 Entwürfe – Katalog zur Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten, hg. v. d. Stiftung Topographie des Terrors/Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Red. Erika Bucholtz/Philipp Dittrich/Angela Kauls, Berlin 2006, S. 8, 13)