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Auszüge aus den Erinnerungen des jüdischen Fabrikarbeiters Hans Grossmann, zitiert nach: Gernot Jochheim, Frauenprotest in der Rosenstraße, Berlin 1993, S. 122f.

Montag früh, 48 Stunden, nachdem wir von unseren Arbeitsplätzen abgeholt worden waren, bekamen wir einen dünnen Malzkaffee. Nicht jeder von uns war übrigens direkt in einer Fabrik gefangengenommen worden. Es hatte wieder Razzien gegeben. Überall waren Juden von der SS aufgegriffen worden.

Rosenstraße

[...]
Die SS war sehr genau. Jeder mußte einen Büroraum betreten und wurde nach dem Namen, dem Geburtsdatum und der Wohnung gefragt. Die Angaben wurden anscheinend mit einer Kartei verglichen, denn bei mir rief der Gestapo-Mabb: "Mischling 1. Grades!" - "Arisch versippt?" wurde ich daraufhin gefragt. Ich bejahte. "Ab zur Rosenstraße!" Ich mußte noch einen Schein unterschreiben, wonach ich mein Eigentum dem Deutschen Reich überlassen würde. Das war für mich selbstverständlich unwichtig. Aber "Rosenstraße" - was hatte das zu bedeuten? Ich kannte die Straße. Jeder Jude in Berlin wußte, daß in der Heidereutergasse die älteste Synagoge Berlins stand, die "Alte Synagoge". Sie lag in einem Hinterhof, der zu einem Eckgebäude gehörte,. Ecke Heidereutergasse/Rosenstraße. Dieses Eckhaus war ein Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde.
Wieder bestieg ich einen Lastwagen.

[...]
Als wir dann in die Rosenstraße einbogen, traute ich meinen Augen nicht. Ich sah viele Menschen, viele Frauen. Eine richtige Ansammlung. Ich sah Polizisten. Wenige allerdings. Ich sah SS-Männer.
Der Lastwagen konnte gar nicht an das Bürogebäude herangefahren werden. Er war auch sofort von Frauen umstellt. Wir mußten herunter, und SS-Männer bahnten uns einen Weg durch die Menschen. Und da hörte ich ein Rufen. Im Chor: "Laßt unsere Männer frei!" - "Unsere Kinder!" - "Wir wollen unsere Männer wiederhaben!"