• Adolf Eichmann während des Prozesses in Jerusalem, 1961. Bild rechts: Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer, 1941/42.
  • Ehemaliges „Brüdervereinshaus“, Kurfürstenstraße 115/116, 1961.

Mahnort Kurfürstenstraße

Adolf Eichmann (1906–1962) war während des Zweiten Weltkriegs Leiter des „Judenreferats” IV B 4 im „Reichssicherheitshauptamt”. Er war maßgeblich an der Ermordung der europäischen Juden beteiligt. Von seinem Büro in der Kurfürstenstraße 115/116 aus wurde die Deportation der Juden in die Vernichtungslager zentral organisiert.

Nach 1945 floh Eichmann nach Argentinien. In einem Prozess, der weltweites Aufsehen erregte, wurde er 1961 in Jerusalem zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 hingerichtet.

1)   Auf dem Grundstück Kurfürstenstraße 115/116, auf dem heute das Hotel „Sylter Hof” steht, erbaute der jüdische „Brüderverein” 1908–1910 ein repräsentatives Vereins- und Wohnhaus. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in diesem Gebäude das von Adolf Eichmann geleitete „Judenreferat” IV B 4.

2)   Das „Judenreferat” war eine Dienststelle des 1939 gegründeten „Reichssicherheitshauptamtes” (RSHA), in dem die „Sicherheitspolizei” (Geheime Staatspolizei, Kriminalpolizei) und der „Sicherheitsdienst” (SD) der SS zusammengefasst wurden.

Eichmanns Referat bediente sich im Schriftverkehr in der Regel der offiziellen Adresse des RSHA: Berlin SW 11, Prinz-Albrecht-Straße 8.

3)   Seit 1935 war Eichmann mit der „jüdischen Auswanderung” befasst, seit 1938 (Wien) und 1939 (Berlin) in leitenden Funktionen. Ab 1941 galt seine Tätigkeit nicht mehr der Vertreibung, sondern der Vernichtung aller Juden im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich.

4)   Eichmanns Referat in der Kurfürstenstraße 115/116 übernahm seit dem Herbst 1941 die zentrale Organisation sämtlicher Deportationen der Juden aus Deutschland und den besetzten Ländern Europas. Es koordinierte die Durchführung der Transporte mit der Reichsbahn und den jeweils zuständigen Polizeistellen. Die Deportationen führten zunächst in die neu eingerichteten Ghettos im Osten, ab 1942 nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager.

Bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft wurden etwa sechs Millionen Juden – Männer, Frauen und Kinder – ermordet.