Georg Kardinal Sterzinsky

Dienstag, 8. Oktober 2002

Georg Kardinal Sterzinsky, Erzbischof von Berlin

„Es geschah ‚vor aller Augen’, auf Marktplätzen und Straßen, an Bahnhöfen: Menschen wurden gedemütigt, misshandelt, ermordet oder zur Deportation zusammen getrieben. Es gab keine Hemmungen, im Gegenteil: Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt, die Behörden des Terrors, ließen sich an einer der ersten Adressen mitten in Berlin nieder. Neben den eigentlichen Tätern erschrecken mich die vielen Zuschauer: Auch wer nichts tut, wer Hilfe unterläßt und Solidarität verweigert, kann schuldig werden. Zivilcourage muss ständig neu eingeübt werden.”

Walter Momper

Freitag, 27. September 2002

Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses

„Politik hat in Berlin immer den Hintergrund der Vergangenheit: Hier spricht jeder Stein. Die räumliche Nähe von Parlament und Regierung zu den authentischen Orten der Geschichte ist Mahnung und Auftrag. Perspektiven für die Zukunft gibt es nur mit Konsequenzen aus der Vergangenheit.”

Rabbiner Ady Assabi

Freitag, 27. September 2002

Rabbiner Ady Assabi

„From the very spot on Gods earth, from which hatred, abuse and destruction were produced and practiced, may the pain, tears and suffering of all victims turn into the source of love, brotherhood and understanding. To those who are responsible - thank you for being who you are.”

Bischof Wolfgang Huber

Mittwoch, 25. September 2002

Bischof Wolfgang Huber, Ev. Kirche Berlin-Brandenburg

„Sich die Verbrechen der Vergangenheit vor Augen zu stellen, sich auf die Erinnerung einzulassen, ist eine Aufgabe aller Generationen, der Jungen wie der Alten. Es geht aber nicht darum, den Jüngeren die Schuld aufzubürden, die frühere Generationen auf sich luden. Auch geht es nicht um ein Schuldritual. Die Glaubwürdigkeit des Erinnerns zeigt sich im Einsatz für die gleiche Würde der Menschen, im Kampf für eine demokratische Kultur, in der überzeugenden Absage an den Geist der Gewalt. Das wichtigste Mahnmal des Holocaust bleiben Zivilcourage und gelebte Demokratie.”

Anke Martiny

Dienstag, 24. September 2002

Anke Martiny, Kultursenatorin a.D.

„Die Generation der Täter ist gestorben, auch von den Opfern lebt der größte Teil nicht mehr. Jetzt ist es an uns Nachgeborenen, das Andenken an die schreckliche Zeit von 1933 bis 1945 - an Terror, Menschenverachtung und systematischen Völkermord - wachzuhalten. Nie wieder!”

Senator Thomas Flierl

Freitag, 6. September 2002

Senator Thomas Flierl

„Wer wollte, konnte sehen. Mehr noch: Die Menschenverachtung war nicht zu übersehen. Auch in ihren Anfängen nicht. Die Ausstellung konterkariert damit den oft gehörten und in vielen Fällen subjektiv ehrlichen Ruf der Deutschen nach 1945: ‚Wir haben das alles nicht gewußt’ (...). Ich will an dieser Stelle ganz deutlich sagen, daß es der feste Wille des Senates und der Bundesregierung ist, den Neubau der Topographie des Terrors zu vollenden und die durch die Insolvenz der Baufirma bedingte Verzögerung in engen zeitlichen Grenzen zu halten.”

Aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Vor aller Augen” am 5. September 2002

Knut Nevermann

Freitag, 6. September 2002

Knut Nevermann, Stellvertreter des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien

„Viktor Klemperer beschreibt in seinem Tagebuch die Räumung der sog. Judenhäuser in Dresden, die am 23. und 24. November 1942 stattfand. Und er notiert sein Entsetzen darüber, ‚weil alles so offen vor sich gehe’. Es ist das Verdienst der Topographie des Terrors, mit der Ausstellung ‚Vor aller Augen’ die öffentlichen Formen des nationalsozialistischen Terrors zu dokumentieren. Der Bund hat in den vergangenen vier Jahren sein Engagement für die historischen Gedenkstätten in Deutschland insgesamt erheblich ausgeweitet. Die Bundesregierung ist sich auch ihrer Verantwortung für die Topographie des Terrors bewußt. Sie bleibt daher auch bereit, die Realisierung des wirklich außergewöhnlichen Zumthor-Entwurfes zu unterstützen.”

Aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Vor aller Augen” am 5. September 2002