Wolfgang Thierse

Dienstag, 6. Mai 2003

Wolfgang Thierse, Präsident des Deutschen Bundestages

„Eine gute Idee, eine gute Reihe: Lesen gegen das Vergessen - von Geschichte, von Leiden, also auch von wichtigen Büchern.”

Gästebucheintrag anläßlich der Eröffnung der Reihe "Lesen gegen das Vergessen"

Christina Weiss

Freitag, 25. April 2003

Christina Weiss, Staatministerin für Angelegenheiten der Kultur und der Medien

„Heute haben wir gemeinsam wieder Visionskraft geschöpft - mit festem Blick auf die Realität hoffen wir auf neue Kommunikationsfähigkeit.”

Johannes Gruetzke

Mittwoch, 16. April 2003

Johannes Gruetzke, Maler

„Also, daß die Ruinen zunächst voller Wut weggerissen wurden und abgeräumt wurden, als ob sie nicht dagewesen wären und Jahrzehnte später mit den Schaufeln von Archäologen die Keller und Grundmauern dieser Gebäude wieder freigelegt wurden, bedeutet zwar keine Auferstehung, aber ein Durchschauen der Verkleidung dieses Gebäudes. Jetzt sehen wir es selbst, das Gebäude mit seinen gekachelten Kellerräumen, kein Film, kein Schmuck, kein Wirklichkeitstheater, sondern die Wirklichkeit der Vergangenheit.”

Volker Hassemer

Freitag, 11. April 2003

Volker Hassemer, Kultursenator a.D.

„Hier wollte man nach dem Krieg jede Spur, jeden Stein beseitigen. Das war beschlossen, das war beauftragt, das war bezahlt - die Akten waren klar. Robert Frank ist zu danken, daß er diese Klarheit beseitigte, mit seinen eigenen Händen Spuren davon ausgrub, was die Enttrümmerungsfirma liegen gelassen hatte. Wir hatten uns geirrt und hätten ohne Frank einen Fehler, einen schlimmen Fehler gemacht.”

Maxim Biller

Dienstag, 1. April 2003

Maxim Biller, Schriftsteller

„Daß Deutsche von Deutschen in Namen Deutschlands gefoltert wurden - das lernt man auf dem ehemaligen Prinz-Albrecht-Gelände, in der Open-Air-Präsentation der Topographie des Terrors. Eine überraschende Einsicht. Deutsche waren also auch Opfer der Nationalsozialisten? Wieso wissen wir so wenig darüber? Und wann kann endlich dieser Teil der Geschichte zwischen Niederkirchner- und Wilhelmstraße angemessen präsentiert werden, nicht bloß an ein paar Stellwänden im Freien? Fragen, auf die es Antworten gibt, da bin ich mir sicher.”

Christian Ströbele

Donnerstag, 27. März 2003

Christian Ströbele, Mitglied des Deutschen Bundestages

„Nach 43 Jahren in Berlin habe ich den Weg auf dieses Gelände gefunden. Der Besuch bringt die deutsche Nazi-Vergangenheit direkt in die alltägliche Umgebung von heute. Damit wird sie gegenwärtig, wie es kaum ein Film oder eine Erzählung erreichen kann. Kneipen von heute in Kreuzberg oder Friedrichshain werden erkennbar als Orte der Gestapo mit Verhören und Folter vor 60 Jahren. Nach so langer Zeit in Berlin bringen der Besuch, die Führung durch die Ausstellung und die Erläuterungen dazu mich ganz nah an das Geschehen unserer schrecklichen deutschen Vergangenheit. Ich danke für dieses Erlebnis.”

Norbert Lammert

Mittwoch, 19. Februar 2003

Norbert Lammert, Vizepräsident des Deutschen Bundestages

„Was auf diesem Gelände geschehen ist, das 1933 von der Gestapo und 1939 vom Reichssicherheitshauptamt bezogen wurde, ist nicht Berliner Stadtgeschichte, sondern Nationalgeschichte. Es ist das schrecklichste Kapitel unserer Geschichte.
Das wiedervereinigte Deutschland muss in seiner Hauptstadt demonstrative Zeichen setzen, Zeichen des Erinnerns, des Gedenkens und insbesondere unserer festen Entschlossenheit, die nach dem völligen politischen und moralischen Zusammenbruch unseres Landes mühsam wieder errichtete deutsche Demokratie und das Leben und die Freiheit aller Menschen in diesem Lande, welcher Nationalität, religiösen Überzeugung auch immer, mit allen Kräften zu verteidigen.”

Aus der Rede zum Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion „Jüdisches Museum, ‚Topographie des Terrors’, Mahnmal für die ermordeten Juden Europas” am 25. Januar 2001

Simone Veil

Freitag, 14. Februar 2003

Simone Veil, ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments

„Wir dürfen nicht vergessen, daß Europa Schauplatz der schlimmsten Verbrechen gewesen ist. Mit ihrer Aussöhnung wollten die Europäer den Totalitarismen ein Ende setzen, um Demokratie und Frieden zu garantieren. Aus diesem Grund dürfen sie die Vergangenheit unter keinen Umständen vergessen. Eine solche Ausstellung ruft sie zur Wachsamkeit auf, damit sie alle Bestrebungen zur Wiedererichtung solcher Terrorregime bekämpfen.”

Patrick Amiot

Freitag, 31. Januar 2003

Patrick Amiot, Abgeordneter Frankreichs und Präsident der Task Force

„Die Topographie des Terrors leistet einen überaus wichtigen Beitrag zum Verständnis der Mechanismen, die zu Unterdrückung, Intoleranz, Antisemitismus und zum Tod in Gefängnissen und Lagern geführt haben. Das Präsidium der Internationalen Task Force ‚Erziehung, Erinnerung und Forschung’ weiß diesen Beitrag sehr zu schätzen und begrüßt ihn lebhaft. Es wünscht der Topographie bei der Verwirklichung des Neubaus vollen Erfolg.”

Dieter Scholz

Freitag, 24. Januar 2003

Dieter Scholz, Vorsitzender des DGB, Landesbezirk Berlin-Brandenburg

„In seinem Roman ‚Die Rückkehr des Tanzlehrers’ lässt der schwedische Schriftsteller Henning Mankell eine seiner Figuren zum Ende sagen:
‚Ich habe nie geglaubt, dass der Nationalsozialismus mit Hitler starb. (...) Menschen mit bösen und menschenverachtenden, rassistischen Ansichten gibt es heute in gleichem Maße. Aber sie haben andere Namen, andere Methoden. Heutzutage werden keine Kriege mehr von Heeren auf Schlachtfeldern ausgetragen. Der Hass auf die, die man verachtet, kommt heute anders zum Ausdruck. Von unten, kann man sagen. Dieses Land, oder Europa, ist im Begriff, von innen heraus zerrissen zu werden durch seine Verachtung von Schwäche, die Überfälle auf Flüchtlinge, den Rassismus. Ich sehe es überall. Und ich frage mich, ob wir wirklich fähig sind, entschieden genug Widerstand zu leisten.’
Und weil das so ist, brauchen wir Lernorte wie die Topographie des Terrors, um immer wieder aufs Neue zu begreifen, dass unser Widerstand nie nachlassen darf und nie aufhören kann.”