Maxim Biller

Dienstag, 1. April 2003

Maxim Biller, Schriftsteller

„Daß Deutsche von Deutschen in Namen Deutschlands gefoltert wurden - das lernt man auf dem ehemaligen Prinz-Albrecht-Gelände, in der Open-Air-Präsentation der Topographie des Terrors. Eine überraschende Einsicht. Deutsche waren also auch Opfer der Nationalsozialisten? Wieso wissen wir so wenig darüber? Und wann kann endlich dieser Teil der Geschichte zwischen Niederkirchner- und Wilhelmstraße angemessen präsentiert werden, nicht bloß an ein paar Stellwänden im Freien? Fragen, auf die es Antworten gibt, da bin ich mir sicher.”

Christian Ströbele

Donnerstag, 27. März 2003

Christian Ströbele, Mitglied des Deutschen Bundestages

„Nach 43 Jahren in Berlin habe ich den Weg auf dieses Gelände gefunden. Der Besuch bringt die deutsche Nazi-Vergangenheit direkt in die alltägliche Umgebung von heute. Damit wird sie gegenwärtig, wie es kaum ein Film oder eine Erzählung erreichen kann. Kneipen von heute in Kreuzberg oder Friedrichshain werden erkennbar als Orte der Gestapo mit Verhören und Folter vor 60 Jahren. Nach so langer Zeit in Berlin bringen der Besuch, die Führung durch die Ausstellung und die Erläuterungen dazu mich ganz nah an das Geschehen unserer schrecklichen deutschen Vergangenheit. Ich danke für dieses Erlebnis.”

Norbert Lammert

Mittwoch, 19. Februar 2003

Norbert Lammert, Vizepräsident des Deutschen Bundestages

„Was auf diesem Gelände geschehen ist, das 1933 von der Gestapo und 1939 vom Reichssicherheitshauptamt bezogen wurde, ist nicht Berliner Stadtgeschichte, sondern Nationalgeschichte. Es ist das schrecklichste Kapitel unserer Geschichte.
Das wiedervereinigte Deutschland muss in seiner Hauptstadt demonstrative Zeichen setzen, Zeichen des Erinnerns, des Gedenkens und insbesondere unserer festen Entschlossenheit, die nach dem völligen politischen und moralischen Zusammenbruch unseres Landes mühsam wieder errichtete deutsche Demokratie und das Leben und die Freiheit aller Menschen in diesem Lande, welcher Nationalität, religiösen Überzeugung auch immer, mit allen Kräften zu verteidigen.”

Aus der Rede zum Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion „Jüdisches Museum, ‚Topographie des Terrors’, Mahnmal für die ermordeten Juden Europas” am 25. Januar 2001

Simone Veil

Freitag, 14. Februar 2003

Simone Veil, ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments

„Wir dürfen nicht vergessen, daß Europa Schauplatz der schlimmsten Verbrechen gewesen ist. Mit ihrer Aussöhnung wollten die Europäer den Totalitarismen ein Ende setzen, um Demokratie und Frieden zu garantieren. Aus diesem Grund dürfen sie die Vergangenheit unter keinen Umständen vergessen. Eine solche Ausstellung ruft sie zur Wachsamkeit auf, damit sie alle Bestrebungen zur Wiedererichtung solcher Terrorregime bekämpfen.”

Patrick Amiot

Freitag, 31. Januar 2003

Patrick Amiot, Abgeordneter Frankreichs und Präsident der Task Force

„Die Topographie des Terrors leistet einen überaus wichtigen Beitrag zum Verständnis der Mechanismen, die zu Unterdrückung, Intoleranz, Antisemitismus und zum Tod in Gefängnissen und Lagern geführt haben. Das Präsidium der Internationalen Task Force ‚Erziehung, Erinnerung und Forschung’ weiß diesen Beitrag sehr zu schätzen und begrüßt ihn lebhaft. Es wünscht der Topographie bei der Verwirklichung des Neubaus vollen Erfolg.”

Dieter Scholz

Freitag, 24. Januar 2003

Dieter Scholz, Vorsitzender des DGB, Landesbezirk Berlin-Brandenburg

„In seinem Roman ‚Die Rückkehr des Tanzlehrers’ lässt der schwedische Schriftsteller Henning Mankell eine seiner Figuren zum Ende sagen:
‚Ich habe nie geglaubt, dass der Nationalsozialismus mit Hitler starb. (...) Menschen mit bösen und menschenverachtenden, rassistischen Ansichten gibt es heute in gleichem Maße. Aber sie haben andere Namen, andere Methoden. Heutzutage werden keine Kriege mehr von Heeren auf Schlachtfeldern ausgetragen. Der Hass auf die, die man verachtet, kommt heute anders zum Ausdruck. Von unten, kann man sagen. Dieses Land, oder Europa, ist im Begriff, von innen heraus zerrissen zu werden durch seine Verachtung von Schwäche, die Überfälle auf Flüchtlinge, den Rassismus. Ich sehe es überall. Und ich frage mich, ob wir wirklich fähig sind, entschieden genug Widerstand zu leisten.’
Und weil das so ist, brauchen wir Lernorte wie die Topographie des Terrors, um immer wieder aufs Neue zu begreifen, dass unser Widerstand nie nachlassen darf und nie aufhören kann.”

Peter Frey

Mittwoch, 22. Januar 2003

Peter Frey, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios

„Mich beeindruckt die Genauigkeit, die Alltäglichkeit. Der Terror hat das ganze Land überzogen - und viele haben dabeigestanden, sogar gelacht. So wird plastisch, wie das Böse funktioniert und wie es die Menschen erniedrigt.”

Franz Freiherr von Hammerstein

Montag, 6. Januar 2003

Franz Freiherr von Hammerstein, Stiftung West-Östliche Begegnungen

„Das Morden der Nazis galt den ‚minderwertigen Rassen und Völkern’, Polen, Russen, Juden, Sinti/Roma, Zwangsarbeitern und auch den vielen Gruppen und Einzelnen, die wagten Widerstand zu leisten: wie die ‚Rote Kapelle’, die jüdische Gruppe ‚Baum’, Jugendgruppen, ‚20. Juli 1944’, die verfolgt und ‚hingerichtet’ - ermordet - wurden, deren Angehörige ähnlich wie die Verwandten von Deserteuren als ‚Sippenhäftlinge’ eingesperrt wurden.
Hier war die Zentrale dieser Naziverbrechen! Warum wird sie vernachlässigt?”

Jürg Steiner

Dienstag, 17. Dezember 2002

Jürg Steiner, Architekt

„Neben den Orten der Untaten ist es besonders wichtig, den Ort der Täter zu dokumentieren. Dieser Aufgabe widmet sich seit nunmehr 15 Jahren die ‚Topographie des Terrors’. In verschwundenen Häusern, die hier standen, wurde der Terror administriert. Das Gelände sollte helfen, die Geschichte noch deutlicher als bisher sichtbar und nachvollziehbar zu machen.”

Kent Nagano

Dienstag, 3. Dezember 2002

Kent Nagano, Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin

„In der topographischen Mitte der Stadt Berlin und innerhalb des deutschen Staates auf großräumigen Arealen an die Verbrechen des NS-Terrorregimes zu erinnern, ist für mich als Amerikaner ein positives Signal. Es symbolisiert das Bekenntnis zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und allgemein zur Verteidigung der universellen Menschenrechte. Ich habe tiefen Respekt vor der Bereitschaft, sich der schmerzhaften Vergangenheit zu stellen, die Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht zu verdrängen, sondern diese leidvollen Erfahrungen zur Grundlage einer besseren Zukunft zu machen. Insofern ist die Stiftung Topographie des Terrors keine museale Einrichtung, sondern lebendiger Teil kultureller Selbstvergewisserung, zu der auch die Musik wie andere Künste und die Wissenschaft beitragen.”