Protokoll der 32. AGGB-Tagung vom 15. - 17. März 2017 im International Tracing Service, Bad Arolsen

 

Programm:

Mittwoch, 15. März 2017

14.00 Uhr
Begrüßung und knappe Vorstellungsrunde

14.30 - 16.00 Uhr
ITS - Geschichte und Aufgaben des ITS (Präsentation: Henning Borggräfe)

16.00 - 16.30 Uhr
Kaffeepause

16.30 - 18.00 Uhr
ITS - Führung durch den ITS

18.30 Uhr
Abendessen (wird selbst gezahlt)

 

Donnerstag, 16. März 2017

9.00 - 12.30 Uhr
AGGB-Runde:
Vorstellung der Einrichtungen

  • Institut für Zeitgeschichte München - Berlin (Caroline Lamey-Utku),
  • Dokumentationszentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Opfer der Diktaturen in Deutschland (Guido Poltersdorf),
  • Zentrum für Antisemitismusforschung (Irmela Roschmann-Steltenkamp)

Die Bibliothekssysteme Koha (Monika Sommerer, Jenny Bellmann, Matthias Mann) und Alma (Irmela Roschmann-Steltenkamp)

12.30 - 14.00 Uhr
Mittagspause

14.00 - 15.15 Uhr
Entwicklung der frühen Lagerliteratur und das Geobib-Projekt (Dr. Thomas Roth, Arbeitsstelle Holocaustliteratur Gießen)

15.15 - 16.00 Uhr
Die Gedenkstätte Theresienstadt (Iva Gaudesová)

16.00 - 16.30 Uhr
Kaffeepause

16.30 - 18.00 Uhr
Digitalisierungsprojekt: Vorstellung Digitalisierung im ITS (Henning Borggräfe) und Gespräch/Diskussion über mögliche Zusammenarbeit / Digitalisierungsprojekte in der AGGB

18.30 Uhr
Abendessen (wird selbst gezahlt)

 

Freitag

9.00 - 10.00 Uhr
ELTAB (Carola Kieras)

10.30 - 12.30 Uhr
Führung durch die Fürstliche Arolser Hofbibliothek

12.30 - 13.30 Uhr
Abschlussrunde (Ausgabe von Lunchpaketen)

 

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Mittwoch, 17.3.2017

Begrüßung der Teilnehmer und kurze Vorstellungsrunde

 

International Tracing Service - Geschichte und Aufgaben
Henning Borggräfe stellte den International Tracing Service (ITS) vor. Er berichtete von der historischen Entwicklung. Beginnend mit der Einrichtung eines Zentralen Suchbüros durch die Alliierten zur Rückführung (oder Emigration in eine neue Heimat) von Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1948 trägt die Einrichtung den Namen "International Tracing Service". Über wechselnde Leitungen (u.a. durch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK)) hinaus und über einen sehr langen Zeitraum wird der International Tracing Service (ITS) nicht als dauerhafte Einrichtung gesehen und davon ausgegangen, dass der Suchdienst nach einem gewissen Zeitraum seine Arbeit abschließen könne. Die Aufgaben wandeln und erweitern sich im Laufe der Zeit. Neben der Klärung von Schicksalen NS-Verfolgter und der Auskunft für deren Angehörige wurden in den 50er und 60er Jahren  das Ausstellen von Dokumenten für Wohlfahrts- und Entschädigungsprogramme für Opfer von NS-Verfolgung zu einer Hauptaufgabe des ITS. Für Gerichtsverfahren gegen NS-Täter stellte der ITS Dokumente zur Verfügung. Die gesammelten Dokumente des ITS-Archivs stehen seit November 2007 der Forschung zur Verfügung. Diese Öffnung geht mit Umstrukturierungen der Einrichtung und mit Professionalisierung in der Archivarbeit einher. Neben der Auskunftstätigkeit für Angehörige rücken Aufgaben für Bildung, Forschung und Gedenken in den Vordergrund.
(Vgl. Homepage ITS, Geschichte des ITS https://www.its-arolsen.org/ueber-its/geschichte-des-its/)

 

ITS - Führung durch den ITS
Der Präsentation schloss sich eine Führung durch den International Tracing Service an. U.a. wurde die Bibliothek besichtigt, die Zentrale Namenkartei, das Archiv der Korrespondenzakten und der Dokumente aus den Konzentrationslagern.

 

 

Donnerstag, 16. März 2017

AGGB-Runde

Vorstellung einzelner Einrichtungen
In diesem Jahr haben sich folgende drei Einrichtungen ausführlich vorgestellt:

-          Institut für Zeitgeschichte (München/Berlin) - Caroline Lamey-Utku

-          Dokumentationszentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Opfer der Diktaturen in Deutschland (Schwerin) - Guido Poltersdorf

-          Zentrum für Antisemitismusforschung (Berlin) - Irmela Roschmann

 

Bibliothekssysteme
Anschließend stellte Irmela Roschmann das Bibliothekssystem Alma von ExLibris vor, das die vier Universitätsbibliotheken Berlins (HU, FU, TU, UdK) Ende 2016 eingeführt haben. Das Zentrum für Antisemitismusforschung  gehört zur TU Berlin und ist auch von Aleph auf Alma umgestiegen. Frau Roschmann führte das System überwiegend live vor und konnte dessen Komplexität im Bestellablauf eines Buches veranschaulichen. Über Alma läuft auch die Etatverwaltung.

Matthias Mann berichtete über den Umstieg der Bibliotheken der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz von der Bibliothekssoftware Allegro-C zu Koha. Letzteres ist ein Open Source Programm, das auf Linux läuft und als Grundlage Daten im Format Marc21 verwaltet. Derzeit werden nach und nach die vorhandenen Daten angepasst, ggf. korrigiert und eingespielt.

 

AGGB-Katalog
Matthias Mann hat für den Katalog, der inzwischen Daten von 19 Einrichtungen nachweist (demnächst kommen noch das ITS und das ZfA hinzu), eine neue, leistungsstärkere Serverpartition angemietet. Der Jahrespreis steigt pro Einrichtung nun um ca. 10 Euro. Dies wurde einstimmig akzeptiert.
Danke an Matthias für seine großartige Leistung!

 

Projektbericht der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Universität Gießen
Nach dem Mittagessen berichtete Dr. Thomas Roth von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur von der Entwicklung der frühen Lagerliteratur und dem Geobib-Projekt.

Das DFG-geförderte Geobib-Projekt ist aus technischen Gründen gescheitert und wird nicht online gehen. Zu hoffen ist, dass zumindest die frühe Lagerliteratur, die die Arbeitsstelle angekauft und digitalisiert hat, der Allgemeinheit online zur Verfügung gestellt werden wird. Eine Liste der in Gießen vorhandenen Literatur wird der AGGB zur Verfügung gestellt.

 

Datenbanken der Gedenkstätte Theresienstadt
Anschließend stellte Iva Gaudesová die Objekt- und Personen-Datenbanken der Gedenkstätte Theresienstadt vor.
Die Sprache dieser Datenbanken ist bis auf Sucheinstiege Tschechisch. Eine Übersetzung ist derzeit nicht in Planung. Geplant ist jedoch eine übergreifende Suche in den verschiedenen Datenbanken.

 

Vorstellung der Digitalisierungsabteilung des ITS
Verschiedene  ITS-Mitarbeiter stellten die Digitalisierungsprojekte - und abläufe im ITS vor.
Derzeit werden die Korrespondenzakten gescannt, die älter als 25 Jahre sind. Nicht digitalisiert sind z.B. die Krankenakten aus den Krankenhäusern der DP-Camps und Fotos von befreiten Häftlingen in Dachau.
Diskutiert wurde die rechtliche Problematik, wenn ITS-Unterlagen frei im Internet zur Verfügung gestellt werden (z.B. KZ-Häftlingslisten).

Es besteht allgemein großes Interesse seitens der AGGB ein gemeinsames Digitalisierungsprojekt mit Hilfe des ITS durchzuführen. Welche Materialien der Gedenkstätten und Dokumentationszentren dafür in Betracht gezogen werden können, steht weiter zur Diskussion. Rechtliche und inhaltliche Fragen müssen dafür geklärt werden. Die AGGB Teilnehmer wollen anhand ihrer Bestände prüfen welche Dokumente/ Publikationen dafür in Betracht kommen und bleiben diesbezüglich im Austausch.

 

Freitag, 17.3.2017

ELTAB
Carola Kieras gab eine fundierte und umfassende Einführung in alle Funktionalitäten der seit August 2016 neu aufgelegten Tauschbörse ELTAB 2.0 (https://eltab.ub.uni-kl.de/). Die an der TU Kaiserslautern angesiedelte Tauschbörse bietet öffentlichen Bibliotheken/Bibliotheken in öffentlicher Trägerschaft weltweit eine optimale Plattform, Dubletten abzugeben und/oder kostenlos Bücher für den eigenen Bestand zu erhalten. Diese Möglichkeiten wurden von den TeilnehmerInnen der Tagung mit großem Interesse aufgenommen.

 

Führung durch die Fürstliche Arolser Hofbibliothek
"Die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek (FWHB) in Bad Arolsen (http://staff-www.uni-marburg.de/~wolf2/Waldeck/startseite-hofbibliothek.html) besitzt ca. 35.000 Bände, die auf fünf Räume verteilt sind. [...] Ferner befinden sich über 1000 Karten/Landkarten, zahlreiche Pläne, 500 Kupferstichwerke und mehrere tausend Einzelstiche im Besitz der Hofbibliothek. Eigentümer der Hofbibliothek ist die "Stiftung des Fürstlichen Hauses zu Waldeck und Pyrmont". Die seit 1840 nur noch sporadisch erweiterte Bibliothek enthält Literatur zu nahezu allen im 17./18. Jahrhundert relevanten Wissensgebieten. Ihre Schwerpunkte liegen jedoch eindeutig auf den Fächern Allgemeines, Geographie, Geschichte, Literatur und Militaria. Gewissermaßen die Keimzelle der Bibliothek waren die 400 Werke, Handschriften und Drucke, die 1576 bei der Aufhebung des nahe bei Arolsen gelegenen Augustiner-Chorherrenstift Volkhardinghausen an den Waldeckschen Hof kamen."  (Quelle: Bibliothekshomepage) Bei der Führung durch die eindrucksvolle Bibliothek bekamen alle TeilnehmerInnen einen tiefen Einblick in die vorhandenen Bestände und die Arbeit, die vor Ort geleistet wird.

 

Abschlussrunde
In der Abschlussrunde wurden Themen für das nächste Treffen besprochen:

Die nächste AGGB-Tagung wird vom 14.-16. März 2018 in Frankfurt/Main stattfinden. Gastgeber ist der Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945.

Die TeilnehmerInnen wünschten sich für das kommende Treffen eine ausführlichere AGGB-Runde, in der die alltäglichen Themen, die auf den Nägeln brennen, angesprochen werden können.

Themenwünsche für 2018 sind  Digitalisierung, sachliche Erschließung sowie E-Book-Plattformen bzw. die Einbindung von elektronischen Angeboten in  Bibliotheksangebote.

Eine Überlegung ist, Helen Thein-Peitsch nach Frankfurt einzuladen, die ihre Masterarbeit im Rahmen des postgradualen Fernstudiengangs Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HU zum Thema "Gedenkstättenbibliotheken : zur Bestimmung eines Bibliothekstyps" geschrieben hat.

 

 

Teilnehmer/innen:

Altmeyer, Thomas (Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Frankfurt/Main)

Bellmann, Jenny (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz, Berlin)

Borggräfe, Henning (International Tracing Service, Bad Arolsen)

Buhlmann, Maria (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin)

Egger, Peter (Bundesanstalt der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Wien)

Gaudesová, Iva (Gedenkstätte Theresienstadt)

Gehringer, Florian (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin)

Geyer, Nathalie (Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg e.V., Ulm)

Groh, Christian (International Tracing Service, Bad Arolsen)

Haard, Miriam (The Wiener Library for the Study of the Holocaust and Genocide, London)

Hofmann, Martin (Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg)

Jung, Maria (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin)

Kieras, Carola (KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg)

Lamey-Utku, Caroline (Institut für Zeitgeschichte, München)

Lippe, Heidrun (International Tracing Service, Bad Arolsen)

Lochner, Stefan (Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, Weimar-Buchenwald)

Lück, Anka (Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin)

Mann, Matthias (Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin)

Müller, Barbara (Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Oranienburg)

Paul, Jens (International Tracing Service, Bad Arolsen)

Poltersdorf, Guido (Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland, Schwerin)

Rathjen, Corinna (Gedenkstätte Bergen-Belsen, Lohheide)

Roschmann-Steltenkamp, Irmela (Zentrum für Antisemitismusforschung/TU Berlin, Berlin)

Runge, Ewa (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz, Berlin)

Schnell, Monika (Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Fürstenberg/Havel)

Sommerer, Monika (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz)

Sürth, Astrid (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Köln)

Šustr, Václav (Gedenkstätte Theresienstadt)

Tätzler, Klaus (Gedenkstätte Bergen-Belsen, Lohheide)

Treß, Johanna (KZ-Gedenkstätte Dachau, Dachau)

Welker, Barbara (Centrum Judaicum, Berlin)

Wumser, Iris (Kreismuseum Wewelsburg, Büren)