Protokoll der 31. AGGB-Tagung vom 9.-11. März 2016 auf der Wewelsburg

 

Programm AGGB-Treffen

9.-11. März 2016, Kreismuseum Wewelsburg

 

Mittwoch, 9. März 2016

14.00
Begrüßung (Kirsten John-Stucke) und anschließende Führung durch das Haus (Kirsten John-Stucke und/oder Markus Moors)

16.00
Kaffee

16.30
Das pädagogische Konzept des Kreismuseums Wewelsburg (Katharina       Dehlinger)
Führung durch die Bibliothek (Iris Wurmser)

18.00
Abendessen (SZ)

 

Donnerstag, 10. März 2016

9.00
AGGB-Runde

11.00
Führung durch das Historische Museum des Hochstifts Paderborn (Norbert Ellermann)

12.30
Mittagessen

14.00
Die Entwicklung der SS im Spiegel der Wewelsburg 1933-1945
(Markus Moors)

15.30
Kaffee

16.00
Über die Bedeutung der Volksbüchereien in Nationalsozialismus und deren Personal (Georg Fischer)

18.00
Abendessen (SZ)

 

Freitag, 11. März 2016

9.00
Die Wewelsburg als historischer Ort und als Erinnerungs- und Gedenkstätte im Focus des Neonazismus (Jan Raabe, Argumente & Kultur gegen rechts e. V.)

10.30
Kaffee

11.00
AGGB-Runde

13.30
Ende der Tagung, Ausgabe von Lunchpaketen

 

 

 

Mittwoch, 9. März 2016

Die Teilnehmenden der Tagung wurden von Herrn Weiß, dem stellvertretenden Leiter der Einrichtung, begrüßt. Herr Weiß berichtete kurz von der Geschichte der Wewelsburg und den Ausstellungen und Angeboten, die dort zu nutzen sind.

Führung durch die Ausstellung und die Burg durch Markus Moors

Anschließend führte uns Herr Moors durch die seit 2010 präsentierte Ausstellung zur SS, sowie durch die Burg. Die Teilnehmenden bekamen einen tiefen Einblick in die Geschichte der Burg, vorrangig zur Zeit des NS, zum KZ Niederhagen, zu baulichen Überresten der nationalsozialistischen Zeit im Dorf selbst sowie in die Aufarbeitung nach 1945.

Vortrag von Frau Dehlinger zum pädagogischen Konzept des Kreismuseums

An die sehr interessante und umfassende Führung schloss sich ein Vortrag von Frau Dehlinger zum pädagogischen Konzept des Kreismuseums Wewelsburg an. Intensiv diskutiert wurde über das Seminarangebot für Grundschulkinder: einzelne Gedenk- und Bildungsstätten in Deutschland bieten Seminare für Kinder von 10/11 Jahren an und diese Seminare werden auch gut angenommen. Dennoch kommt in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage auf, ab welchem Alter solche Seminare „angemessen“ und die Kinder nicht doch zu jung sind. Frau Dehlinger wies darauf hin, dass das Angebot für Grundschulklassen altersgemäß ausgerichtet ist und die Kinder sich in keiner Weise überfordert zeigen.

 

Donnerstag, 10. März 2016

Bibliothek des Kreismuseums Wewelsburg

Der zweite Tag begann mit einer Führung durch und ein Gespräch über die Bibliothek der Wewelsburg.  Die Bibliothek wird von den (wissenschaftlichen) Mitarbeiter/innen des Kreismuseums und von externen Besucher/innen genutzt. Der Bestand umfasst ca. 12.000 Bände und Zeitschriften. Er zeichnet sich – basierend auf dem breiten Angebotsspektrum des Kreismuseums – durch eine große Themenvielfalt aus. Ein wichtiger Teil des Bestands ist natürlich die Literatur zum Thema SS und Nationalsozialismus. Darüber hinaus findet sich sehr viel Material zu Themen des Paderborner Landes und Regionalkultur im weitesten Sinne.

 

AGGB-Runde

In der sich anschließenden AGGB-Runde haben sich zunächst alle Teilnehmer kurz vorgestellt und berichtet, welche Themen im vergangenen Jahr in ihren Einrichtungen im Vordergrund standen und welche Projekte in diesem Jahr geplant sind.

Stiftung Topographie des Terrors:
Besondere Projekte sind derzeit die Sichtbarmachung der elektronischen Angebote, Barrierefreiheit und Provenienzforschung hinsichtlich des NS-Bestandes; die Topographie des Terrors katalogisiert über den GBV bereits nach RDA.

Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz:
Umstieg von Allegro auf Koha ist in Planung; über die Plattform EBL wurden inzwischen etwa 100 E-Books gekauft; die Metadaten der Filmsammlung sind seit Februar 2016 auf der Homepage einsehbar; der Platzmangel bleibt akut

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück:
Sehr geringer Etat, daher sind Tausch- und Dublettenexemplare anderer Einrichtungen sehr willkommen; es ist eine besondere Sammlung an frühen Erinnerungsberichten vorhanden, die aber noch nicht im AGGB-Katalog verzeichnet ist.

KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen:
Digitalisierungsprojekt des Altbestandes; die Bibliothekarin der Gedenkstätte arbeitet an einem Tag in der Woche in der Bibliothek der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten in Celle: interessante Literatur mit lokalem Schwerpunkt sowie Literatur zur Zwangsarbeit. Es gibt Überlegungen, auch diesen Bestand in den AGGB-Katalog mit aufzunehmen.

Gedenkstätte Deutscher Widerstand:
Viele Bücher sind noch nicht im Katalog (u.a. auch Teile des Vorlasses von Prof. Steinbach); Einarbeitung des DVD-Bestandes der Pädagogischen Abteilung, Umstieg von Allegro auf Koha geplant

APABIZ:
Raumprobleme, da der Vermieter gekündigt hat; es wird nach passenden Räumlichkeiten in der näheren Umgebung des jetzigen Standorts gesucht; Ziel im nächsten Jahr: Daten in den AGGB-Katalog einspielen

The Wiener Library for the Study of the Holocaust and Genocide (London):
Mehrere Digitalisierungsprojekte, u.a. Erlebnisberichte aus den 40er und 50er Jahren mit Übersetzung; auf der Website sind die digitalisierten Berichte zu den Novemberpogromen einsehbar; seit 2015 sind die Bibliotheksdaten im AGGB-Katalog.

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur:
Nachlass von Prof. Hermann Weber übernommen; Allegro wird RDA-fähig gemacht oder die Bibliothek geht in einen Verbund.

Studienkreis Deutscher Widerstand:
Daten sind seit 2015 im AGGB-Katalog; 2017 feiert der Verein sein 50-jähriges Jubiläum.

NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln:
Umfangreicher Nachlass (90 Kisten) mit Literatur zum Zweiten Weltkrieg / Luftwaffe übernommen.

Gedenkstätte Mauthausen:
Peter Egger (neues Mitglied der AGGB) bearbeitet Häftlingsanfragen an das Archiv und die Bibliothek; die Einrichtung wird ggf. in eine Bundesstiftung umgewandelt; neue Homepage; Archiv und Bibliothek (4.500 Monografien plus Zeitschriften) bereits online.

Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg, Ulm:
Die Stelle von Nathalie Geyer beinhaltet nur 15 Stunden für die Bibliothek.

KZ-Gedenkstätte Neckarelz:
Der Bibliotheksbestand in der Gedenkstätte selbst wurde auf etwa 200 einschlägige Werke reduziert, der Rest auf die Vorstandsmitglieder aufgeteilt.

KZ-Gedenkstätte Neuengamme:
Umsystematisierung: der Freihandbestand wird feiner untergliedert; da die Bibliothek Mitglied im GBV ist, wird schon nach RDA katalogisiert.

 

Ausführlicher haben sich in diesem Jahr Anka Lück (Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung; Präsentation) und Henning Borggräfe (neues Mitglied; International Tracing Service; Präsentation) vorgestellt.

 

Führung durch das Historische Museum des Hochstifts Paderborn

Norbert Ellermann führte uns durch das Museum. Es befindet sich im Süd- und Ostflügel der Wewelsburg. Hier wird die Geschichte des Paderborner Landes von den Anfängen der Besiedlung bis zur Säkularisation (1802) vorgestellt und ein vielfältiges Bildungsprogramm angeboten.

 

Besichtigung des Geländes des KZ-Niederhagen

Nach dem Essen führte uns Herr Ellermann spontan zu den wenigen noch sichtbaren Resten des Konzentrationslagers: Das ehemalige Lagertor ist in ein Einfamilienhaus eingebaut, in der einzigen Steinbaracke des Geländes waren bis vor kurzem Sozialwohnungen untergebracht; zukünftig soll hier an das Lager erinnert werden.

 

Vortrag zur Entwicklung der SS im Spiegel der Wewelsburg 1933-1945 von Markus Moors

Herr Moors sprach über das Selbstverständnis der SS und den Zweck der Wewelsburg.

Die Wewelsburg sollte zu einem exklusiven Treffpunkt der SS-Führer ausgebaut werden. Außerdem war eine Schule für die höheren SS-Führer vorgesehen. Beide Pläne kamen nur rudimentär zur Ausführung. Neben zwei kleineren Treffen von SS-Führern fand das größte Treffen im Juni 1941, kurz vor dem Angriff auf die Sowjetunion statt. Betrafen die Planungen bis zu Beginn des zweiten Weltkriegs die  Wewelsburg als Gebäude im engeren Sinne, wurden die Baupläne ab 1939 stark auf die Umgebung der Burg und das angrenzende Dorf ausgedehnt. Einige kleinere Pläne kamen zum Bau, wie z.B. der Ottenshof, der sich zum Treffpunkt der ansässigen SS entwickelte.

 

Vortrag von Georg Fischer zur Bedeutung der Volksbüchereien im Nationalsozialismus und deren Personal

Georg Fischer erläuterte Aussagen des SS-Bibliothekars der Wewelsburg Hans Peter des Coudres und forderte die Seminarteilnehmer auf, niederzuschreiben, was unser heutiges Selbstverständnis als Bibliothekare sei. Diese Aufforderung stieß aber auf den Widerstand der Zuhörer. Daher fuhr der Vortragende mit Informationen zur Entwicklung der Volksbüchereien und der sog. Bücherhallenbewegung ab 1860 sowie zu dem Bibliothekar Walter Hofmann (1879-1952) und dessen reformpädagogischen Bildungsansatzes fort. Vertiefte Informationen zu Bibliotheken im Nationalsozialismus (Verstrickung, Widerstand und Ausgrenzung) wurden nicht vorgetragen.

 

Freitag, 11. März 2016

Vortrag von Jan Raabe über die Wewelsburg als wichtiger Ort heutiger rechter Gruppierungen (Präsentation)

Herr Jan Raabe begann den Morgen mit einem sehr informativen und sehr fundierten Vortrag über die Wewelsburg als Identifikationsstätte und wichtigem Treffpunkt der Rechten heute. Die Wewelsburg ist laut Herrn Raabe nach wie vor eine „Projektionsfläche der extremen Rechten“. Der Vortrag begann mit der spannenden chronologischen Darstellung der Verbindung esoterischer, tendenziell rechter Themen mit der Wewelsburg (z.B. die Schwarze Sonne) nach 1945. Zahlreiche Beispiele aus der Literatur wurden genannt, so z.B. das Buch „Heinrich Himmlers Burg“ von Stuart Russel und Jost W. Schneider (RVG-Verlag Landshut, 1989) oder „Die schwarze Sonne von Tashi Lhunpo“ von Russel McCloud (Arun, Vilsbiburg 1991, 3. Aufl. 1997). Abschließend gewährte uns Herr Raabe einen Einblick in die Kommunikation rechter Gruppen in den sozialen Netzwerken. Hier wurde sichtbar, wie stark die Wewelsburg als Anziehungspunkt für diese Gruppen fungiert, wie sehr sie aber auch düpiert sind über z.B. die orangenen Sitzkissen im Obergruppenführungssaal , die ihrer Meinung nach diesen besonderen Ort entweihen. Weiterhin wird in den Chats darauf eingegangen, dass man sich als Besucher in rechten Gruppen deutlich zurückhalten sollte mit z.B. Kleidung oder Zeichen rechter Zugehörigkeit, da das Personal des Museums klare Anweisung hat, diese Gruppen des Ortes zu verweisen.

 

AGGB-Runde

Zu Beginn der AGGB-Runde stellte Matthias Mann die Neuerungen des AGGB-Katalogs vor. Mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte (Hamburg), dem Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 und der Wiener Library for the Study of the Holocaust & Genocide (London) konnten 2015/16 drei neue Bibliotheken in den Katalog aufgenommen werden. Zurzeit sind die Bestände von 18 Bibliotheken im Katalog vertreten. Der AGGB-Katalog beinhaltet nun über 500.000 Datensätze und 700.000 Bestandsnachweise. Die monatlichen Besuche des Online-Kataloges belaufen sich auf etwa 15.000. Es ist hierbei schwer nachzuvollziehen, welche Anfragen von Einzelnutzern und welche von Robotern der Suchmaschinen gestellt werden. Für die Zukunft wurde der Umstieg auf einen schnelleren Server mit mehr Speicherkapazität angedacht. Da mit der Aufnahme von weiteren Bibliotheken in den Gemeinschaftskatalog zu rechnen ist, sollten sich die anteiligen Kosten der einzelnen Mitglieder für den Server weiterhin im Rahmen halten.

Irmela Roschmann stellte überblickartig die Grundlagen der neuen Katalogisierungsregeln RDA vor. Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem Regelwerk ist im Kreis der AGGB nicht sinnvoll, da der Stand der einzelnen Bibliotheken bzgl. der Katalogisierung sehr unterschiedlich ist: die Bibliotheken, die in Verbünden katalogisieren, arbeiten bereits mit RDA, je nach Verbund jedoch mit verschiedenen Ausführungen. Andere Bibliotheken haben die RDA-Schulungen durchgeführt, arbeiten jedoch noch nicht nach den neuen Regeln und wiederum andere Bibliotheken wollen und müssen gar nicht umstellen.

 

Das nächste Treffen findet vom 15.-17. März 2017 im International Tracing Service Bad Arolsen statt.

 

 

 

Teilnehmende

Altmeyer, Thomas (Studienkreis Deutscher Widerstand, Frankfurt/Main)

Behnk, Rebecca (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin)

Borggräfe, Henning (International Tracing Service, Bad Arolsen)

Dohnke, Christian (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum e.V., Berlin)

Egger, Peter (Gedenkstätte Mauthausen, Wien/Mauthausen)

Fischer, Georg (KZ-Gedenkstätte Neckarelz)

Geyer, Nathalie (DOZK Ulm)

Haardt, Miriam (The Wiener Library for the Study of the Holocaust and Genocide, London)

Jung, Maria (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin)

Kieras, Carola (KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg)

Lück, Anka (Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung; Berlin)

Mann, Matthias (Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin)

Rathjen, Corinna (Gedenkstätte Bergen-Belsen, Lohheide)

Roschmann, Irmela (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin)

Schnell, Monika (Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg)

Sommerer, Monika (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin)

Sürth, Astrid (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Köln)

Tätzler, Klaus (Gedenkstätte Bergen-Belsen, Lohheide)

Wurmser, Iris (Kreismuseum Wewelsburg, Büren)