30. Treffen

 

Georg Fischer/Monika Sommerer

 

Protokoll des 30. Treffens der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken 18. - 20. März 2015 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

                                                                                             

Programmpunkte

Mittwoch, 18. März 2015 (Neuengamme)

14.00 - 16.00     Führung durch die Gedenkstätte (Ausstellungen und Gelände)

16.30 - 18.00     Erste AGGB-Runde: Vorstellung von zwei Bibliotheken
                        plus Austausch

 

 

Donnerstag , 19. März 2015 (Hamburg-Innenstadt)

10.00 - 12.00     Führung durch das  ehem. Jüdische Grindelviertel

13.00 - 15.00     Besichtigung der Bibliotheken der
                        Forschungsstelle für Zeitgeschichte und des

Instituts für die Geschichte der deutschen Juden

15.30 – 16.46    Vorträge zur Provenienzforschung 
                        Frau Küther (Institut für die Geschichte der deutschen Juden )
                        Frau Kersting (Staats-und Universitätsbibliothek Hamburg)

17.00-18.00       Vortrag von Rebecca Behnk über ihre Masterarbeit zum Umgang mit Fernsehaufzeichnungen in Gedenkstättenbibliotheken

 

Freitag, 20. März  2015  (Neuengamme)

9.00 - 11.00      Bibliothek und Archiv der  KZ-Gedenkstätte Neuengamme;
                       Vorstellung der Seminarreihe „Ein Opfer, Täter, Mitläufer
                       in der Familie“

11.30 - 13.00     Zweite AGGB-Runde: Die Neuerungen im AGGB-Katalog
                        (Matthias Mann)

                         Abschlussrunde/Feedback 

 

Ablauf

Mittwoch, 18.3.2015

Die Gruppe der 23 Teilnehmenden wurde von der Bibliothekarin der Gedenkstätte Neuengamme, Carola Kieras, und dem Leiter des Archivs und der Forschungsstelle, Dr. Reimer Möller, begrüßt.

Reimer Möller führte die Gruppe die folgenden zwei Stunden über das Gelände der Gedenkstätte und durch die Dauerausstellung, die 2005 von 125 Experten erstellt wurde. Die Teilnehmenden bekamen sowohl gleichermaßen historische Hintergrund- als  auch objektbezogene Informationen lebhaft geschildert.

In der ersten AGGB-Runde stellten sich die Teilnehmenden kurz vor. Es konnten auch Vertreterinnen von zwei neu in den Kreis gekommenen Einrichtungen begrüßt werden.

Gespannt lauschte die Gruppe dann den Ausführungen zur Bibliothek der Behörde des  Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Im Gebäude nahe dem Alexanderplatz in Berlin untergebracht, wurde diese Bibliothek seit 1992 aufgebaut. Grundstock bildete der Bestand der ehemaligen Juristischen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit, Potsdam. Derzeitig umfasst sie etwa 70.000 Einheiten und 116 laufende Zeitschriften. Sammelschwerpunkte sind die Deutschlandpolitik, das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und Geheimdienste. Hauptnutzer sind Behördenmitarbeiter/innen aus den 14 Standorten; die Präsenznutzung durch die Öffentlichkeit ist möglich. Die Erschließung erfolgt über eine eigene Systematik und Schlagwörter. Der Bestand wird aus Platzgründen nach Jahren aufgestellt. Derzeit keinem Verbund zugehörig, soll der Katalog demnächst auch online gestellt werden.

Es folgte der Bericht aus der Bibliothek der Gedenkstätte Buchenwald durch Sandra Greuel, der Nachfolgerin von Rosi Hofmann, die eine der Mitgründerinnen der AGGB war. Mit 1/3 Stelle betreut sie seit einem Jahr die Bibliothek, die andere Arbeitszeit ist sie im pädagogischen Dienst tätig. Der Bibliothekskatalog der Gedenkstätte Buchenwald soll demnächst auch online gestellt werden. Dies wird über das Programm KOHA geschehen und ist durch die produktive Zusammenarbeit mit der Universität Jena möglich. Eine Testversion ist unter gbu.thulb.uni-jena.de ansehbar. Eine Zusammenarbeit mit Jena ist ebenfalls für die Digitalisierung der unerschlossenen Schriften aus der Zeit nach 1945 geplant.

Mit diesem Impuls wurde besprochen, dass sich die AGGB für das nächste Treffen vornimmt: jeder notiert seine Erfahrungen, Tätigkeiten und Bedarfe bezüglich einer Digitalisierung von (Teil-) Beständen. Dann überlegen wir gemeinsam, welche Absprachen nötig sind und ob ein gemeinsames AGGB-Projekt entstehen könnte.

Eine weitere Aufgabe wird sein, die mailing-Liste der AGGB zu optimieren. Wie aktuell ist sie? Werden Institutionen oder die Personen angesprochen? Wendet sie sich an einen öffentlichen oder nur gezielt eingeladenen Kreis? Christian Dohnke wird dazu initiativ. Ebenso sollten wir uns Gedanken machen, wie wir uns gegenseitig bei der Umstellung von Allegro auf Koha helfen können.

Donnerstag , 19. März 2015

Am ehem. Sammelplatz zum Abtransport der jüdischen Menschen aus Hamburg – direkt neben dem Hauptgebäude der Universität – begann um 10 Uhr ein Rundgang durch das bis in die 1930er Jahre blühende jüdische „Grindelviertel“ in Hamburg. Mit die Teilnehmenden einbeziehenden Ausführungen wurden die wichtigsten Orte begangen und die Umstände erklärt. Der Rundgang endete um 12.30 Uhr am heute wieder betriebenen ehemaligen Theater des Jüdischen Kulturbundes.

Nach der Mittagspause besuchte die Gruppe zwei Einrichtungen im Haus Beim Schlump 83. Die Leiterin der Bibliothek des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Frau Küther, und der Leiter der Bibliothek der Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Herr Schütt, führten uns durch die Bibliotheken und die Archivräume. Dabei ergaben sich intensive Gespräche unter verschiedenen Einrichtungen und mögliche zukunftsträchtige Kontakte.

Frau Küther, stellte per Powerpointpräsentation zusammen mit ihrem Kollegen Jörg Kreuzer die Arbeit zur NS-Raubgutforschung vor. Die Leiterin der Provienzforschung der Hamburger Staats- und Unitiversitätsbibliothek (1943 ein Brandverlust von 700.000 Bd., der u.a. durch die „Reichstauschstelle“ zu kompensieren versucht wurde), M. Kersting, gab einen spannenden Einblick in ihre Arbeit, die seit der Washingtoner Erklärung 1998 zur Restitution geraubter Bücher anfällt. Im Bestand des Instituts sind 6-9.000 Bände möglicherweise Raubgut; seit 2013 konnten 933 Fälle bearbeitet werden, die 400 Personen und 50 Institutionen betrafen.

Den Abschluss des Arbeitstages bildete ein Vortrag zur juristischen Beurteilung der pädagogischen Verwendung von selbst aufgezeichneten Fernsehsendungen. Die Kollegin Rebecca Behnk vom Haus der Wannseekonferenz erläuterte das Ergebnis ihrer Masterarbeit dazu (siehe Powerpoint).

Freitag, 20. März 2015

Zu Beginn des abschließenden Arbeitstages in der Gedenkstätte erläuterten Carola Kieras die Bibliothek und Reimer Möller das Archiv von Neuengamme. Bei letzterem handelt es sich faktisch um eine Sammlung von Zweitüberlieferungen, denn die SS hatte im Frühjahr 1945 genügend Zeit, fast alle Unterlagen mit Hilfe eines 750-köpfingen Häftlingskommandos zu verbrennen. Inzwischen existiert eine Datenbank zu den 106.000 Häftlingen, von denen zu etwa 2.000 auch weitere Unterlagen (v.a. Interviews) vorliegen.

Nach der Pause (mit Teil-Sonnenfinsternis) erklärte Herr Möller die Seminarreihe zur innerfamiliaren Opfer-Täterschaft und den intergenerationalen Umgang.

In der abschließenden AGGB-Runde konnte der Entwickler des  AGGB-Katalogs, Matthias Mann, die etwa ab Mitte 2015 nutzbare neue Version vorstellen. Die Zugriffsdaten zeigen eine intensive Nutzung des Katalogs, die sich durch die künftige Volltextsuche und die weiteren Dateneinspielungen vermutlich noch erweitern wird.

Das nächste AGGB-Treffen wird vom 9.-11. März 2016 auf der Wewelsburg stattfinden. Vorgeschlagene Themen (neben den Ortsinformationen): Digitalisierung, neu hinzugekommen Einrichtungen, Bestandserhaltungs-Hardware, „Zur Geschichte des eigenen Berufsstandes“ und Erfahrungen mit RDA.

Bei der Feedback-Runde dominierten die positiven Äußerungen zu Inhalten und Organisation dieses Treffens, das nicht nur den Einblick in die Situation in Neuengamme und den besuchten Hamburger Bibliotheken ermöglichte, sondern zu einem regen Austausch führte und zusätzlich etliche Weiterbildungselemente enthielt. Mit vielem Dank an die Organisatorinnen vor Ort und in den Berliner Einrichtungen endete das 30. Treffen.

 

Anwesenheitsliste

Altmeyer, Thomas, Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945

Behnk, Rebecca, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Dohnke, Christian, Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum e.V. Berlin

Ebers, Tanja, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Fischer, Georg Dr., KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Gehringer, Florian, Stiftung Topographie des Terrors

Geyer, Nathalie, KZ-Gedenkstätte Dachau

Greuel, Sandra, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Haardt, Miriam, The Wiener Library for the Study of the Holocaust & Genocide

Heucke, Janina, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Kieras, Carola, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Lück, Anka, Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Mann, Matthias, Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Möller, Reimer Dr. KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Müller, Barbara, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Poltersdorf, Guido, Dokumentationszentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Opfer der Diktaturen in Deutschland

Rathjen, Corinna, Gedenkstätte Bergen-Belsen

Schnell, Monika, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Sommerer, Monika, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Sürth, Astrid, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Tätzler, Klaus, Gedenkstätte Bergen-Belsen

Wurmser, Iris, Kreismuseum Wewelsburg