29. Treffen

Georg Fischer/Monika Sommerer

 

Protokoll der AGGB-Tagung in der Mahn- und Gedenkstätte  Ravensbrück und in der Gedenkstätte Sachsenhausen, 19. bis 21. März 2014

 

Mi., 19.3.2014 (Ravensbrück)


14 – 16 Uhr    Nach der Begrüßung Rundgang in ausgewählten Ausstellungsräumen der Hauptausstellung Gedenkstätte Ravensbrück (Dr. Sabine Arend, Ausstellungskonzeption). Bemerkenswerte Überlieferungen von Zeichnungen und die Art des Einbeziehens der Nebenlager. Hinweise auf die Entstehungs- und Ausbaugeschichte. Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements für den Gedenkort KZ Uckermark (Jugendkon-zentrationslager für Mädchen und junge Frauen 1942-1945), die 1993 nicht in den Verbund der Gedenkstätten des Landes Brandenburgs aufgenommen worden war.

16.30 – 18 Uhr    Rundgang mit Dr. Mathias Heyl (seit 2002 Leiter der päd. Abt.) im Lagergelände zu archetektonischen Spurensuche. Hinweise auf Ausstellung im „Führerhaus“ und (bundesweit erste) Ausstellung zu Täterinnen „Gefolge der SS“, d.h. zu den 3.500 hier ausgebildeten Aufseherinnen von Frauen-KZs. Sozialpsychologische Erklärungen von TäterInnenverhalten. Bedeutung der Zufahrtsstraße für den Kontakt zwischen Bevölkerung und Frauen- / Männerlager. Doppeltor- und Zaunsituation. Lagerbaracken und SS- / Siemenswerkstätten. Krematorium. Veränderungen der vergangenen 60 Jahre bei den Anlagen zu Gedenkfeiern.

Do., 20.3.2014 (Ravensbrück)


9 – 10.30 Uhr        1. AGGB-Runde
Diskussion über die inhaltliche Ausrichtung des AGGB-Kataloges:
Mit der Entwicklung der AGGB wurde der AGGB-Katalog nach der Prämisse aufgebaut, dass in ihm nur Bibliotheken ihre Bestände einbringen sollen, deren inhaltlicher Fokus auf dem Thema NS-Geschichte liegt. Ein entsprechender Beschluss von 2001 wurde in der Runde noch einmal diskutiert, da nun auch gerne die Bibliotheken der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ihre Bestände einspielen würden. Matthias Mann und Monika Sommerer wiesen darauf hin, dass es seitens der Leitungen ihrer Einrichtungen (und der der Topographie des Terrors), die den Erhalt und die Fortentwicklung der AGGB und des Kataloges ja maßgeblich finanzieren, diesbzgl. wenig Handlungsspielraum gäbe und dieses inhaltliche Profil daher nicht verwässert werden dürfe.
Der Lösungsvorschlag der AGGB bzgl. der Bibliotheken mit SED-Diktatur: Vielleicht kann ein eigener Gemeinschaftskatalog für diese Einrichtungen erstellt werden. Das technische Know-how des AGGB-Katalogs wird weiter gegeben, aber es müsste von einer kompetenten Person aus diesen Einrichtungen (ausgestattet mit Geld und Personal) aufgebaut werden.
Von Maria Jung (BStA) kam später noch der Vorschlag, einen Link zu ihrem Katalog auf der AGGB-Seite sichtbar zu machen.

Zur Entwicklung des AGGB-Kataloges (vorgestellt von Matthias Mann, GDW):
Vier Bestände sind seit 2013 in den Gemeinschaftskatalog eingespielt worden: aus dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg sowie aus  den Gedenkstätten Bergen-Belsen, Ravensbrück, und Dachau. Für die ausgezeichnete Arbeit von Matthias bedankten sich alle.

Nächste AGGB-Treffen:
Die nächsten Treffen der AGGB werden für März 2015 in der Gedenkstätte Neuengamme / Hamburg und für März 2016 in der Gedenkstätte Wewelsburg / Paderborn geplant. Bei letzterem wird auch der Vorschlag aus Neckarelz aufgenommen, sich mit der NS-Geschichte des Berufsstandes zu beschäftigen. In den Diskussionen der AGGB sollte auch der Generationenwechsel berücksichtigt werden sowie neue Bildungsinhalte in der Gedenkstättenpädagogik (Menschenrechtsbildung, vergleichende Erinnerungskultur etc.)

10.20 – 12.45     Vortrag von Armin Talke (Mitarbeiter Wissenschaftliche Dienste, Staatsbibliothek Berlin):

Armin Talke trug den aktuellen Stand des  Urheberrechts vor und beantwortete die teilweise bereits vorher schriftlich eingereichten Fragen.
Grundsatz § 64 UrhG: Eigene Schöpfungen sind 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers urheberrechtlich geschützt. Bei anonymen Werken gilt ebenfalls die Frist 70 Jahre nach Veröffentlichung des Werkes. Also werden auch Fotos, die im NS gemacht wurden, 2015 (nach deutschen Recht) frei. Die Schutzfristen richten sich allerdings nach dem Land, in dem die Schöpfungen entstanden.  Veränderungen durch das Internet: Kopien / downloads aus dem Netz zu verleihen  ist unrechtmäßig, denn diese Veröffentlichungsart begründet einen Urheberrechtsschutz. Für private Zwecke können downloads verwendet werden, aber Bibliotheken dürfen sie nicht ausdrucken und verleihen. Solche Produkte müssen gekauft werden (wie auch Filme). Das Verbreitungsrecht regelt § 17. Bedeutung des „Erschöpfungsprinzips“, der „First Sale Doctrin“ und des Ausstellungsrechts (§ 18): nur mit Zustimmung der Urheber darf ausgestellt werden. Empfehlung: zurückhaltend nur die Titel verzeichnen; vorhandene Filme/Fotos nicht aufnehmen, wenn die Verbreitungsrechte nicht geklärt sind.

14.10 -  16.15         Dr. Matthias   Heyl  - Quellen  sprechen lassen als päd. Prinzip.
Anhand eines überlieferten Tagebuchs von Han van Beem  wurden die verschiedenen Schichten der Entstehung, des Auffindens, der Interpretationen und der Verwendung erläutert. Das Beispiel zeigte eindrücklich die „Geschichten hinter der Quelle“: Wer forschte warum? Wer finanzierte was? Wer nutzt welche wie? Auftretende Probleme (Traumatisierungsfragen, Alleingelassenheit mit Texten und deren Widersprüche, Ernstnehmen der Subjekte …) sind als aktuelle Kommunikationssituationen zu erklären und in den Sozialkontakten meist lösbar.

16.45 – 17.40  Projekt Buchcover (vorgestellt von Cordula Hundertmark)
In der Hauptausstellung existiert ein Raum mit 98 autobiografischen Publikationen von ZeitzeugInnen aus dem Ravensbrücker KZ. Anhand der Buchumschläge wurde in dem Projekt die Erinnerungskultur der vergangenen 70 Jahre nachvollzogen. Diese eindrückliche Präsentation von Ausstellungsobjekten strahlt in mehrfacher Hinsicht auf die Arbeit der Gedenkstätte aus.


17.45 – 18.15      2. AGGB-Runde
Umgang der Gedenkstättenbibliotheken mit elektr. Newslettern:
Allgemein werden sie positiv zur Kenntnis genommen, zu ihnen aber keine weiteren Nachfragen gestellt. Obgleich sie eigentlich nicht ausgedruckt werden dürften, können interessante Aufsätze oder Teile andersweitig genutzt werden. Fraglich bleibt, ob und wie sie aufzubewahren sind, wenn man sie als Quellen von Organisationsentwicklung versteht. Dazu besteht derzeit kein einheitlicher Umgang in den Gedenkstätten.


Freitag, 21. 3. 2014 Sachsenhausen


9.30 – 11.45       Einführung durch und Rundgang auf dem Gelände mit Stefan Boneseur

12 – 13 Uhr     Einführung durch und Rundgang auf dem Gelände des sowjetischen Speziallagers mit Dr. Enrico Heitzer

13 – 14 Uhr    Vortrag von Anne Sieberns (Bibliothek des Dt. Instituts für Menschenrechte) über E-books und elektronische Angebote in Bibliotheken

14  – 14.45    Abschlussrunde mit Mittagsimbiss