28. Treffen

Irmela Roschmann-Steltenkamp

Protokoll des 28. AGGB-Treffens  vom 20.-22. März 2013 im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg

 

Gruppenfoto

 

Mittwoch, 20. März 2013

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg (http://www.sintiundroma.de/)

Die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung wurden von Romani Rose, dem Leiter der Einrichtung, begrüßt. Anschließend führte Silvio Peritore die Gruppe durch die Ausstellung und erläuterte die fast zwanzigjährige Geschichte und die tägliche Arbeit des Dokumentationszentrums. Martin Hofmann, Bibliothekar des Hauses, stellte die Bibliothek vor und gab u.a. Auskunft zu ihrer Einbindung in das Zentrum.

In der ersten AGGB-Runde stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich selbst und ihre Bibliotheken bzw. Gedenkstätten/Dokumentationszentren vor. Schwerpunkt waren dabei die – positiven und/oder negativen - Veränderungen der letzten 12 Monate. Dieser Austausch zeichnete sich durch viele Fragen und rege Diskussionen aus.

 

Donnerstag, 21. März 2013

Hochschule für Jüdische Studien (http://www.hfjs.eu/)

Frau Dr. Boockman, die Leiterin der Albert Einstein-Bibliothek der Hochschule für Jüdische Studien, empfing die AGGB, führte sie in einer sehr umfassenden Führung durch die Bibliothek und gab allen einen intensiven Einblick in die Geschichte und den Alltag ihrer Einrichtung. Die Bibliothek umfasst eine der größten Judaica-Sammlungen Deutschlands, ist technisch sehr gut ausgestattet, personell aber unterbesetzt. Die Konsequenz daraus ist, dass zwischen Öffnungs- und Servicezeiten unterschieden wird: Nur in den Servicezeiten ist qualifiziertes Personal vor Ort, in den Öffnungszeiten müssen sich die Student/innen allein in den Räumen bewegen und die Selbstverbuchung nutzen.

 

Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland (http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/)

Das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland ist ein Behördenarchiv für die existierenden jüdischen Gemeinden und Verbände in Deutschland. Herr Dr. Honigmann erläuterte den Anwesenden die Geschichte des Archivs, seine Bestände und rechtliche Grundlagen wie z.B. Depositalverträge u.a.m. Nur ein Prozent des Bestandes sind Akten vor 1945, 99 Prozent sind Akten nach 1945. Auch der Nachlass Joseph Wulffs ist hier zu finden. Als ein besonderes und beeindruckendes Original der Archivbestände zeigte Herr Dr. Honigmann ein „Musterbuch“ der Schuhproduktion aus dem Ghetto Theresienstadt, das sehr aufwändig von den in der Schuhproduktion tätigen Ghettoinsassen zur Darlegung ihrer Arbeitswichtigkeit hergestellt wurde, in der Hoffnung, damit das eigene Leben zu retten.

 

Universitätsbibliothek Heidelberg (http://www.ub.uni-heidelberg.de/)

Frau Dr. Zimmermann gab der AGGB-Runde einen beeindruckenden Einblick in die Thematik alter Handschriften allgemein und besonderer Handschriften aus den Beständen der UB. Zu der Frage nach eventueller Restitution von Handschriften, die zwischen 1933 und 1945 in die UB gekommen sind, musste Frau Dr. Zimmermann erst recherchieren und gab dann nach der Tagung folgende schriftliche Antwort:

 

„Sehr geehrter Herr Hofmann,

zu der Frage Ihrer Kollegin nach der Restitution von im Dritten Reich entfremdeten Büchern ist mir doch noch etwas eingefallen:

Es dreht sich um die Sammlungen der Josefine und Eduard von Portheim-Stiftung, aus denen bis 1941 zahlreiche "Schenkungen" an die Universität erfolgten. Unter diesen befand sich u.a. auch eine Handschrift und mehrere Inkunabeln, die in die UB gelangten.

Im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Stiftungsgeschichte, war es 2008 zur Rückgabe der entfremdeten Bestände an die Nachfolger der Stiftung gekommen. Da die Stiftung keine Möglichkeit zur konservatorisch unbedenklichen Unterbringung der Handschrift und der Inkunabeln sah, befinden sich diese heute immer noch als Dauerleihgabe physisch in der UB. Die Handschrift ist auch digitalisiert: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs1012.

Hierzu ist auch ein Buch erschienen:

http://katalog.ub.uni-heidelberg.de/titel/66504115

Unsere digitalisierten Bestände finden Sie frei zugänglich hier:

http://hd-historische-bestaende-digital.uni-hd.de

Für Sie und Ihre Kollegen vielleicht noch besonders interessant ist unser Projekt der digitalisierten Auktionskataloge aus den Jahren 1930-1945 (http://artsales.uni-hd.de). Aktuell wurde ein weiteres Projekt für Kataloge der Jahre 1920-1929 bewilligt. Mithilfe dieser Kataloge soll es u.a. möglich gemacht werden, Kunstgegenstände zu restituieren.

Beste Grüße aus der UB,

Karin Zimmermann“

 

AGGB-Runde

Barbara Welker gab einen Kurzbericht zum Projekt „Provenienzermittlung im Altbestand der Bibliothek der Stiftung Neue Synagoge Berlin“. Text hier.

Matthias Mann stellte den aktuellen AGGB-Katalog (www.aggb-katalog.de) mit seinen zahlreichen Recherchefunktionen dar und warb darum, dass sich weitere AGGB-Mitglieder mit ihren Beständen am Katalog beteiligen. Es wurde einstimmig von den Anwesenden entschieden, dass im Namen der AGGB ein Wartungsvertrag mit einem externen Anbieter abgeschlossen werden darf/soll, der ca. 40,-- € pro Jahr pro am Katalog teilnehmender Einrichtung kosten wird. Die Wartungsarbeiten am Katalog sind von Matthias Mann neben bzw. während seiner Arbeit nicht mehr zu bewältigen.

Breit diskutiert wurde das Thema Schriftentausch. Nicht alle Institutionen dürfen jede von ihnen veröffentlichte Publikation im Tausch verschicken, so dass es zu Ungleichheiten im Geben und Nehmen kommen kann. Es wurde keine abschließende Lösung gefunden. Die Teilnehmenden einigten sich darauf, etwaige Fragen bzgl. des Tausches über die AGGB-Mailingliste zu klären.

Besprochen wurden die nächsten Treffen der AGGB: 2014 wird die Tagung voraussichtlich in Ravensbrück und Sachsenhausen, 2015 in der Wewelsburg stattfinden. Thematische Vorschläge für das Treffen in Ravensbrück sind e-books/elektronische Newsletter, Urheberrecht sowie Bestandsvermittlung. Frau Jung wies darauf hin, dass ein Themenblock sich auch mit der Geschichte nach 1945 beschäftigen könne/solle.

 

Freitag, 22. März.2013

KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V. (http://www.kz-denk-neckarelz.de/)

Das im Oktober 2011 neu eröffnete Gebäude der Gedenkstätte beeindruckte alle Teilnehmer/innen tief, weil das sehr ansprechende und außergewöhnlich gelungene Gebäude überwiegend durch Spenden und ehrenamtliches Engagement errichtet wurde. Überhaupt arbeitet die KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V. beinahe ausschließlich ehrenamtlich und mit nur einem geringen festen Budget. Georg Fischer und Hans-Peter Haas führten durch die Ausstellung im Hause und erläuterten die Geschichte des KZ, aber auch die Geschichte des heutigen Vereins und seiner Arbeit. Darüber hinaus gaben sie Informationen zur Gedenkstättenlandschaft in Südwestdeutschland allgemein.

Fotos (Anja Henschel, Dachau):

KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Blick in die Ausstellung

Im Gebäude

Anwesenheitsliste

Abel, Burkhard, NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz/Gedenkstätte KZ Osthofen (Osthofen)

Altmeyer, Thomas, Studienkreis Deutscher Widerstand (Frankfurt/Main)

Dewitz, Leyla, privat

Fischer, Georg, KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.v. (Mosbach)

Fornoff, Johanna, Studienkreis Deutscher Widerstand (Frankfurt/Main)

Gursky, André, Gedenkstätte ROTER OCHSE (Halle)

Haardt, Miriam, The Wiener Library for the Study of the Holocaust & Genocide (London)

Henschel, Anja, KZ-Gedenkstätte Dachau (Dachau)

Hofmann, Martin, Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg)

Hofmann, Rosi, Gedenkstätte Buchenwald (Weimar)

Jung, Maria, Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin)

Kieras, Carola, KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hamburg)

Lück, Anka, Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (Berlin)

Mann, Matthias, Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Berlin)

Müller, Barbara, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen (Oranienburg)

Roschmann, Irmela, Stiftung Topographie des Terrors (Berlin)

Sieder, Irmgard, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Flossenbürg)

Sommerer, Monika, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz (Berlin)

Sürth, Astrid, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln (Köln)

Tätzler, Klaus, Gedenkstätte Bergen-Belsen (Lohheide)

Tito, Maria, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz (Berlin)

Walosczyk, Ilona, Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg/KZ-Gedenkstätte (Ulm)

Welker, Barbara, Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ (Berlin)

Wurmser, Iris, Kreismuseum Wewelsburg (Büren)