18. Treffen

Protokoll des 18. Treffens der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken vom 28.-30. März 2007 in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

 

Mittwoch: 28.03.07
Führung in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen 
Besichtigung Bibliothek und Informationszentrum

Der Direktor der Gedenkstätte, Dr. Hubertus Knabe, und die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Silke Bauer, begrüßten eingangs die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung. Zwei ehemalige Häftlinge, Dieter von Wichmann und Reinhard Fuhrmann, führten im Anschluss durch die Gedenkstätte und beantworteten Fragen.

Silke Bauer präsentierte die Bibliothek, das Fotoarchivs und die Mediathek der Gedenkstätte. Zum Abschluß stellte sie das am gleichen Tag eröffnete Informationszentrum der Gedenkstätte vor.
Die Gedenkstätte im Internet: http://www.stiftung-hsh.de/ (Informationen zu Dieter von Wichmann und Reinhard Fuhrmann – Startseite „Zeitzeugenbörse“, 
Informationen zu Archiv, Sammlung, Bibliothek – Startseite „Forschung“)

 

Donnerstag: 29.03.07
Geschichte des Gefängnisses Hohenschönhausen/Arbeit der Gedenkstätte

Silke Bauer informierte in einem Vortrag über die Geschichte des Ortes und die Arbeitsfelder der Gedenkstätte.    
Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Gegend zu einem Industriegebiet. In der NS-Zeit wurden Betriebe jüdischer Unternehmer „arisiert“. Auf dem Grundstück der späteren Genslerstraße 66 wurde eine moderne Großküche für die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) errichtet. 1945 entstand hier das „Speziallager Nr. 3“, diesem folgte das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis. 1951 übernahm das neugegründete Ministerium für Staatssicherheit das Gefängnis, welches zu einem Gefängniskomplex erweitert wurde. 
Das Gefängnis wurde 1990 geschlossen. 1994 wurde eine Gedenkstätte eingerichtet, die seit 2000 eine selbständige Stiftung öffentlichen Rechts ist. 
Im Anschluss an die Darstellung der Ortsgeschichte erläuterte Frau Bauer das Konzept, Führungen mit ehemaligen Häftlingen anzubieten. Ca. 50 % der mehr als 170.000 Besucherinnen und Besucher 2006 waren Schulgruppen.

Samisdat-Literatur

Bernd Florath und Anne Vogel vom Archiv der DDR-Opposition http://www.havemann-gesellschaft.de/ sprachen über das Thema Samisdat-Literatur. 
Ausgehend von einer Begriffserläuterung und der Skizzierung der Entwicklung in der Sowjetunion, Polen und Ungarn wurde auf die Besonderheiten der Samisdat-Produktion in der DDR hingewiesen. Die Nähe zur Bundesrepublik und die Freiräume der Kirche spielten dabei eine große Rolle. In den 80er Jahren wuchs die Zahl der Samisdat-Publikationen an, und es entwickelten sich unterschiedliche Formen (z.B. künstlerischer Samisdat).
Die Referenten gaben einen Überblick über das Spektrum der unterschiedlichen Samisdat-Publikationen, den Stand der Forschung und die Institutionen, die sich heute mit dem Thema Samisdat beschäftigen.

Gedenkstätte Bautzen / Gedenkstätte "Roter Ochse"

Die Gedenkstätten Bautzen und "Roter Ochse" Halle wurden von Dr. Jörg Morré und André Gursky vorgestellt. 
Herr Dr. Morré sprach über die Geschichte der Gefängnisse in Bautzen. 1904 wurde die Landesstrafanstalt (Bautzen I, „Gelbes Elend“) und zwei Jahre später der Neubau des Gerichtsgefängnisses (Bautzen II) eröffnet. Herr Morré konzentrierte sich bei seinen Ausführungen auf die NS-Zeit, das sowjetische Speziallager (Bautzen I) und die Sonderhaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (Bautzen II). 
Er präsentierte das Konzept der Gedenkstätte und stellte die ständige Ausstellung, die pädagogischen Angebote sowie Archiv und Bibliothek vor. 
Herr Gursky sprach über das seit 1842 bestehende Gefängnis "Roter Ochse" in Halle. Er beschränkte sich dabei auf die NS- und SBZ/DDR-Zeit. Die politische Justiz im „Roten Ochsen“ wird in zwei Ausstellungsetagen (1933 bis 1945 und 1945 bis 1989) thematisiert. Die Opfer aus beiden Zeitperioden stehen im Mittelpunkt der Präsentationen. Der Referent hob insbesondere heraus, dass die Besucher des Hauses seit wenigen Wochen auch Angaben über MfS-Untersuchungsführer nachvollziehen können – neben bereits vorhandenen Informationen zu NS-Tätern. Ausführlich erläuterte Herr Gursky den inzwischen größtenteils eingearbeiteten Präsenzbestand der Gedenkstättenbibliothek. Er veranschaulichte die unterschiedlichen Sonderbestände und verdeutlichte Bezüge zur gedenkstättenpädagogischen Arbeit im „Roten Ochsen“. 
Die Gedenkstätten im Internet:

http://www.stsg.de/main/bautzen/ueberblick/einfuehrung/

http://www.halle.de/index.asp?MenuID=715 
  

AGGB-Runde

Rosmarie Hofmann sprach über ihre Erfahrungen beim Erstellen von Bibliographien und wies auf das Fehlen von Standards und verbindlichen Vorgaben hin. Gaby Müller-Oelrichs kommentierte dies mit in- und ausländischen Beispielen.
Matthias Mann stellte den gemeinsamen Internetkatalog vor und wies auf diverse Veränderungen in der Software "Allegro-C" hin. 
Miriam Haardt fragte nach den Erfahrungen und rechtlichen Grundlagen beim Umgang mit Fernsehmitschnitten. Dieses Thema soll bei einer der nächsten Tagungen intensiver diskutiert werden.
Die Planung für das nächste AGGB-Treffen im Rahmen des bundesweiten Gedenkstättenseminars im September 2007 ergab den Wunsch einer inhaltlichen Verbindung der AGGB-Arbeitsgruppe mit dem Hauptthema des Seminars (Gründungsphase der Konzentrationslager). 
Gaby Müller-Oelrichs berichtete von einer Einladung aus Yad Vashem für die AGGB-Frühjahrstagung 2008. Allgemeines Interesse wurde bekundet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die damit verbundenen Kosten für fast alle zu hoch sein würden. 
Herr Gursky lud daraufhin die Mitglieder der AGGB nach Halle ein. Die nächste Frühjahrstagung findet vom 2.-4. April 2008 in der Gedenkstätte "Roter Ochse" statt.

 

Freitag: 30.03.07

Gedenkstätte Berliner Mauer

Maria Nooke, die Leiterin der Gedenkstätte, gab einführend einen Überblick zur Entwicklung des Gedenkorts Bernauer Straße. Dieser besteht aus verschiedenen Elementen. Neben dem Sachzeugnis Berliner Mauer, dem 1998 eingeweihten Denkmal und der Kapelle der Versöhnung befindet sich im ehemaligen Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde ein Dokumentationszentrum. Maria Nooke ging auf die einzelnen Etappen der Entwicklung ein und gab einen Ausblick auf die weiteren Planungen. Auf der Grundlage des Konzepts des Berliner Senats wird die Gedenkstätte in den nächsten Jahren erheblich erweitert.
Dem Vortrag schloß sich ein Besuch auf dem Aussichtsturm und ein Rundgang zur Denkmalanlage und der Kapelle der Versöhnung an. Danach bestand die Möglichkeit zum individuellen Besuch der Gedenkorte und der ständigen Ausstellung im Dokumentationszentrum.
Abschließend gab es weitere Informationen zur Arbeit der Gedenkstätte. Dr. Gerhard Sälter sprach über die wissenschaftlichen Forschungen, den Aufbau eines Archivs und die Bibliothek der Gedenkstätte. Maria Nooke informierte u.a. über das Zeitzeugenarchiv, und Kathrin Passens stellte das Bildungsangebot der Gedenkstätte vor.

Die Gedenkstätte im Internet: www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de 
Das nächste Treffen der AGGB findet im Rahmen des Bundesweiten Gedenkstättenseminars statt (Oranienburg, 27.-29.9.2007).
Ulrich Tempel

 

Anwesenheitsliste

Bauer, Silke, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Fischer, Georg, KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V. 
Grunert, Annette, KZ-Gedenkstätte Neuengamme 
Gursky, André, Gedenkstätte Roter Ochse Halle 
Haardt, Miriam, Wiener Library 
Hildebrandt, Doris, Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 
Hoffmann, Cordula, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Hofmann, Rosmarie, Gedenkstätte Buchenwald
Jung, Maria, Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 
Mann, Matthias, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz 
Mogge, Tobias, Stiftung Topographie des Terrors    
Morré, Jörg Dr., Gedenkstätte Bautzen 
Müller, Barbara, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen 
Müller-Oelrichs, Gaby, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz 
Runge, Eva, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz 
Saelter, Gerhard Dr., Gedenkstätte Berliner Mauer
Schulz, Dörthe, Humboldt-Universität Berlin
Sürth, Astrid, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Sydow, Karsten, Stiftung Topographie des Terrors    
Tempel, Ulrich, Stiftung Topographie des Terrors    
Warnecke, Manfred, Gedenkstätte Deutscher Widerstand 
Welker, Barbara, Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum