15. Treffen

Protokoll des 15. Treffens der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken im Rahmen des 42. Bundesweiten Gedenkstättenseminars in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme (22.-25.9.05)

 

Bibliothek und Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Am 23.9.05 stellten Annette Grunert und Herbert Dircks Bibliothek und Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme vor.

Bibliothek
Die Bibliothek ist eine öffentlich zugängliche Präsenzbibliothek mit den Schwerpunkten KZ Neuengamme und Außenlager, weitere Konzentrationslager, Widerstand und Verfolgung in Norddeutschland, Gedenkstättenpädagogik und Vergangenheitsbewältigung. Die Bibliothek ist 1981 aus dem Handapparat des damaligen Gedenkstättenleiters entstanden und wurde bis 2003 von studentischen Kräften betreut. Seit 2004 wird sie von einer Bibliothekarin geleitet, die z. Zt. von einer halben studentischen Kraft unterstützt wird. Die Bibliothek ist jeden Tag geöffnet: Montag bis Donnerstag von 10 bis 15 Uhr, Freitag von 10 bis 13 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung.
Der Bestand umfasst z. Zt. 11 600 Bände und 75 laufend gehaltene Zeitschriften. Es stehen 10 Leseplätze zur Verfügung. Das Regalsystem Quadra-F ist von SchulzSpeyer. Es gibt 1 OPAC und einen weiteren Rechner mit Internet-Anschluss. Der Bestand ist über einen alphabetischen Katalog und einen Stich- und Schlagwortkatalog in Zettelform erschlossen. Eine elektronische Erfassung der Neuzugänge im GBV erfolgt seit Mai 2005. Die Bibliothek hat das Sigel H 366 und katalogisiert im Lokalen Bibliothekssystem Hamburg in den gemeinsamen Katalog der Museumsbibliotheken. Bei den Neuzugängen handelt es sich nicht nur um Kaufexemplare, sondern in großer Zahl um Schriftentausch- und Belegexemplare. Es gibt einen regen Schriftentausch mit mehr als 60 in- und ausländischen Forschungseinrichtungen und Gedenkstätten. Der Etat betrug 2005 ca. 3500 €.

 

Archiv
Das seit der Eröffnung des Dokumentenhauses 1981 sukzessiv aufgebaute Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme umfasst neben Originalschriftgut aus der Lagerregistratur eine umfangreiche Sammlung von Duplikaten andernorts verwahrter Dokumente sowie einen bedeutenden Bestand von Nachlässen, Erinnerungsberichten und Interviewaufzeichnungen. Erst seit 1993 wird das Archiv durch einen hauptamtlichen Archivar betreut, der z. Zt. von 4 studentischen Kräften unterstützt wird.

Sammlungsschwerpunkte sind das System der Konzentrationslager, das KZ Neuengamme (einschließlich der über 80 Außenlager), die frühen Hamburger Konzentrationslager Wittmoor und Fuhlsbüttel sowie Widerstand und Verfolgung im nationalsozialistischen Hamburg. Es handelt sich um ein Spezialarchiv, das sich in folgende Teilbereiche gliedert: Schriftdokumente, Erinnerungsberichte, Video- und Audioarchiv, Fotos, Pläne, Sammlung gegenständlicher Objekte, Zeichnungen und Presseausschnitte.

Das Schriftdokumentenarchiv ist nach dem Pertinenzsystem gegliedert, die Aktentitel sind sowohl über einen systematischen Katalog als auch über einen Sachindex per EDV erschlossen. Die Gedenkstätte verfügt über historisch besonders wertvolle Originale, wie 15 im Krankenrevier des KZ geführte Totenbücher, Laborbücher, Bestandslisten und Blockbücher. Viele Originale stammen aus dem Besitz ehemaliger Häftlinge bzw. Angehöriger und aus den Archivbeständen von Häftlingsorganisationen und anderen Verfolgtenverbänden. Von besonderer Bedeutung war die Übernahme des durch den Journalisten Günther Schwarberg zusammengetragenen und von ihm für die Gedenkstätte verzeichneten Archivs der Vereinigung "Kinder vom Bullenhuser Damm". Im Gedenkstättenarchiv befindet sich ein Duplikat des in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte verwahrten "Hans Schwarz Archivs", einer in der fünfziger und sechziger Jahren von der "Arbeitsgemeinschaft Neuengamme" zusammengetragenen umfangreichen Sammlung zur Geschichte des KZ Neuengamme, die u.a. auf zumeist von deutschen politischen Häftlingen verfassten Erinnerungsberichten beruht.

Bei einem Großteil der Bestände handelt es sich um Kopien von Unterlagen, die aus über 250, zumeist ausländischen Archiven stammen. Eine große Bedeutung nehmen Unterlagen der durch alliierte Behörden und deutsche Staatsanwaltschaften geführten und die Sichtung der Bestände des Public Record Office ein. In den letzten Jahren kamen auch Unterlagen aus Archiven hinzu, die zuvor der Forschung nicht zur Verfügung standen, z.B. aus den Archiven der ehemaligen DDR und osteuropäischer Staaten.

Für Forschungszwecke gut erschlossen ist der Bestand an Erinnerungsberichten ehemaliger Häftlinge des KZ-Neuengamme, der einen der größten Bestände von Berichten KZ-Überlebender in der Bundesrepublik Deutschland darstellt.

Bei der überwiegenden Zahl der Fotonegative im Fotoarchiv handelt es sich um Aufnahmen vom Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme seit den fünfziger Jahren, von Gedenkveranstaltungen und Zusammenkünften der Häftlingsverbände, von der Arbeit der Gedenkstätte von 1981 bis heute sowie um Nachkriegsaufnahmen von den Orten ehemaliger Außenlager. Die wertvollsten, im Besitz der Gedenkstätte befindlichen Bestände stellen 200 Originalfotos aus dem KZ Neuengamme dar, die von der SS aufgenommen wurden, sowie ca. 100 Originale aus der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945 bis 1948). Außerdem verfügt die Gedenkstätte über mehrere hundert Reproduktionen aus der Zeit vor oder unmittelbar nach 1945 mit einfachen Nutzungsrechten. 1997 kaufte die Gedenkstätte 140 Reproduktionen von bislang unbekannten Neuengammer SS-Fotografien aus dem Public Record Office in London. Die Fotos werden seit 1997 per EDV inventarisiert, dies ist mit dem Einscannen der Fotos und der digitalen Speicherung auf CD-ROM verbunden.

Im Archivbestand befinden sich 420 großformatige Pläne, davon 210 zum Stammlager und 187 zu den Außenlagern des KZ Neuengamme. Ebenso wie die Luftfotos der alliierten Luftaufklärung bieten die Flächen- und Gebäudepläne oftmals eine zentrale Grundlage für die topographische Einordnung. Neben Plänen aus der Lagerzeit, die zumeist Bauakten entstammen oder für behördliche Zwecke angefertigt wurden, umfasst der Bestand auch Unterlagen aus vornationalsozialistischer Zeit und aus der Nachkriegszeit. Der Bestand wurde 1997 inventarisiert und ist über eine Datenbank zugänglich.

Die Sammlung verfügt über einen vergleichsweise geringen Bestand von (dreidimensionalen) Exponaten. Auch dies ist eine Folge der erst in den achtziger Jahren aufgenommenen Sammlungstätigkeit. Zur Vergrößerung des Fundus insbesondere im Blick auf die neuen Ausstellungen erfolgten erstmals in größerer Zahl Ankäufe. Der gesamte Bestand ist per EDV mit Foto des Objektes erfasst und beschrieben.

 

Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Die AGGB besuchte am 24.9.05 die "Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg" (FZH), die bereits 1960 als "Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg" gegründet wurde. Sie besitzt eine der größten Spezialbibliotheken zur deutschen Zeitgeschichte mit 74.000 Bänden. Die Bibliothek wurde von ihrem Leiter ausführlich vorgestellt und dabei auch Gelegenheit zur Diskussion verschiedener bibliothekarischer Fragestellungen gegeben. Daran schloß sich ein Rundgang durch das Archiv an, das Bestände zu recht unterschiedlichen Themen, u.a. auch zur Geschichte des KZ Neuengamme besitzt. Den Abschluß bildete ein ausführliches Gespräch mit Dr. Linde Apel, der Leiterin der "Werkstatt der Erinnerung", einem der profiliertesten deutschen Oral-History-Projekte. 
Homepage: www.zeitgeschichte-hamburg.de

 

Anwesenheitsliste:
Detlev Balzer, Lübeck
Georg Fischer, KZ-Gedenkstätte Neckarelz e. V.
Annette Grunert, KZ-Gedenkstätte Neuengamme 
Rosi Hofmann, Gedenkstätte Buchenwald
Laura Hottenrott, Dokumentations- und Informationszentrum Torgau
Jutta Lindenthal, Lübeck
Barbara Müller, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Gaby Mueller-Oelrichs, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Edeltraut Schure, Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin
Klaus Tätzler, Gedenkstätte Bergen-Belsen
Ulrich Tempel, Stiftung Topographie des Terrors
Manfred Warnecke, Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Das nächste Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB) findet vom 29.03.-31.03.2005 in London statt.