Bundesweites Gedenkstättenseminar vom 15.-
18. Oktober 1998 in Nordhausen
Arbeitsgruppe 5 : Gedenkstättenbibliotheken.
Leitung: Gaby Müller-Oelrichs (Leiterin der Bibliothek im Haus der Wannsee-Konferenz,
Berlin),
Anne Sieberns (Bibliothekarin im Haus der Wannsee-Konferenz)
Protokoll
1. Begrüßung
Nach der Begrüßung und der Vorstellung der geplanten Kurzreferate
wurde darauf hingewiesen, dass Irmela Roschmann-Steltenkamp, die wegen einer
Dienstreise nicht anwesend sein konnte, zu diesem Termin insbesondere alle Interessenten
an einer "Arbeitsgruppe der Bibliotheken in Gedenkstätten" (s.
Gedenkstätten-Rundbrief Nr. 81/1998) eingeladen hatte, so dass die 3 Stunden
auch genutzt werden sollten für ein Gespräch über die Bildung
dieser Arbeitsgruppe.
2. Teilnehmer
Christine Janischefski, Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Rosemarie Hofmann, Gedenkstätte Buchenwald
Fietje Ausländer, DIZ Papenburg
Uli Wisker, Kreismuseum Wewelsburg
Beate Barden, Gedenkstätte Landsynagoge Roth
Karl-Heinz Lohrmann, Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge
Ulrich Pena, Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte
Dr. Andreas Seeger
Klaus-Dieter Alicke, Gedenkstätte Bergen-Belsen
Ilona Walosczyk, Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg
Dr. Bernhard Hoppe, Kultusministerium Mecklenburg-Vorpommern
Ulrich Tempel, Topografie des Terrors
Alle Teilnehmer wurden gebeten, einen Fragebogen (s. Anlage) auszufüllen,
um die Planung und Koordination weiterer Treffen zu unterstützen.
3. Kurzreferate
- Frau Sieberns stellte das in der Universität Braunschweig entwickelte Bibliothekssystem ALLEGRO-C vor, mit dem mittlerweile über 500 Bibliotheken in der Bundesrepublik sowie Bibliotheken der Goethe-Institute und der Deutschen Historischen Institute im Ausland arbeiten.(Informationen im Internet unter Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. ). Im Gedenkstätten-Bereich setzen das Haus der Wannsee-Konferenz, die Topographie des Terrors, die Gedenkstätte Buchenwald und die Gedenkstätte Ravensbrück das Programm in ihren Bibliotheken ein. Frau Sieberns zeigte anhand einer ALLEGRO-Beispieldatendank die Recherche-Möglichkeiten für den Besucher sowie die Eingabemaske für die Bibliotheksmitarbeiter. Im Haus der Wannsee-Konferenz werden nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch Videos und Zeitschriftenaufsätze in parallel geschalteten Datenbanken erfasst. Dazu werden die Titel soweit wie möglich aus den in der Bibliothek vorhandenen CD-Rom-Datenbanken (VLB, Books in Print, Historical Abstracts) importiert und danach weiterbearbeitet. Die inhaltliche Erschließung der Bücher erfolgt derzeit durch eine im Haus entwickelte Systematik und eine automatische Titel-Stichwort-Vergabe des Systems. Schlagworte gibt es nur punktuell.
- Frau Janischefski, Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, demonstrierte gemeinsam mit dem derzeitigen Zivildienstleistenden die Erfassung und Recherche mit dem Archivierungsprogramm FAUST, das seit circa 2 Jahren in Archiv und Bibliothek der Gedenkstätte eingesetzt wird. Sie wies dabei vor allem auf die Möglichkeit der Volltextrecherche und der Dokumentenverknüpfung hin. Sehr viel Wert wird auf die Vergabe von Sach- und Personen-Schlagworten gelegt, wobei die Geschichte und die Anlagen des Konzentrationslagers und der Gedenkstätte besonders berücksichtigt wird.
- Ulrich Tempel berichtet über seine Arbeit am Schlagwortkatalog der Bibliothek
der ‘Topographie des Terrors’. Die Erschließung des Bestandes
erfolgt mit dem Programm allegro-c. Vergeben werden Schlagworte ganz unterschiedlicher
Kategorien (Personen-, Sach-, Zeit- und Geographische Schlagworte), eine postkoordinative
Suche ist möglich. Die Erfahrungen mit der von der Deutschen Bibliothek
herausgegebenen ‘Schlagwortnormdatei’ sind zwiespältig, zum
einen ist sie ein praktisches, der Vereinheitlichung dienendes Hilfsmittel,
zum anderen ist das Wortmaterial nicht ausreichend und manche Ansetzungen sind
problematisch.
Herr Tempel arbeitet gerade an einer Übersicht zur sachlichen Erschließung
in Spezialbibliotheken zum Themenkreis Nationalsozialismus/ Völkermord
an den europäischen Juden; er besucht in diesem Zusammenhang Bibliotheken
in Hamburg, Frankfurt/M., Stuttgart, München, Leipzig und Berlin; die dabei
gesammelten Erfahrungen sollen in die Arbeit am Schlagwortkatalog der Topographie-Bibliothek
einfließen.
- Frau Müller-Oelrichs stellte einige Möglichkeiten vor, im Internet
zu recherchieren. On-line Recherchen werden im Haus der Wannsee-Konferenz u.a.
für Bibliotheksbenutzer, die spezifische Fragen haben, die das Bibliotheksmaterial
nicht hergibt, angeboten. Es wird dabei hauptsächlich in den Katalogen
der Universalbibliotheken wie Library of Congress in Washington (Fehler! Verweisquelle
konnte nicht gefunden werden.), der British Library (Fehler! Verweisquelle konnte
nicht gefunden werden.) und dem deutschen Verbundkatalog (Fehler! Verweisquelle
konnte nicht gefunden werden.) oder über sogenannte Clearing houses, die
links zu anderen Datenbanken hergestellt haben, recherchiert, wie z.B. das Max
Planck Institut für Bildungsforschung in Berlin (Fehler! Verweisquelle
konnte nicht gefunden werden.); von dort aus gelangt man zu anderen Bibliotheken
und/oder Archive. Eine in den Geisteswissenschaften noch nicht sehr häufig
genutzte Möglichkeit ist das sogenannte document delivery von Zeitschriftenartikeln.
Nach einer Anmeldeprozedur erhält man ein password und eine Benutzernummer
und kann in den Zeitschriftendatenbanken recherchieren und einzelne Artikel
online bestellen. Es bleibt dem Benutzer überlassen ob er/sie den Artikel
per e-mail, per fax oder hardcopy zugeschickt haben möchte. Über dbi-link
oder "Subito" (Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.)
kann dieser Dienst in Anspruch genommen werden. Innerhalb weniger Tage kommt
der Artikel in der gewünschten Form. Diese Dienste kosten selbstverständlich
Geld, eine Abrechnung wird halbjährlich erstellt. Suchmaschinen (z.B. Fehler!
Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. oder Fehler! Verweisquelle konnte
nicht gefunden werden.) erleichtern das Recherchieren im Internet.
1. Tagung im Frühjahr 1999
In der Arbeitsgruppe gab es ein großes Interesse für ein weiteres
Treffen im Frühjahr 1999, für das Irmela Roschmann-Steltenkamp bereits
Vorausplanungen gemacht hatte. Danach könnte die Arbeitsgruppe sich im
April/Mai für zwei Tage in Berlin treffen, die Stiftung Topografie des
Terrors würde den Konferenzraum zur Verfügung stellen, preiswerte
Übernachtungsmöglichkeiten organisieren und sich an der Finanzierung
mit 1500 DM beteiligen.
Mehrere Teilnehmer äußerten den Wunsch, den Termin in den Februar/März
vorzuverlegen, da sie nur befristete Arbeitsverträge haben und nicht sicher
ist, ob sie im April/Mai noch in der jeweiligen Gedenkstätte arbeiten.
Herr Wisker vom Kreismuseum Wewelsburg hatte sich bereits konkrete Gedanken
gemacht über den Austausch der Bibliotheksdaten bzw. über eine Zusammenführung
der bereits mit EDV erfaßten Daten in einem übers Internet abrufbaren
Datenpool. Leider war die Zeit zu kurz, um dieses Projekt zu diskutieren, es
wird jedoch ein Tagesordnungspunkt auf dem im Frühjahr stattfindenden Treffen
sein.